Montag, 8. Januar 2018

# 131 - Kennt ihr Deutschland?

So gründlich lernt man das Land hier kennen

 

Was genau wissen wir über Deutschland? Wir können die Bundesländer aufzählen, hoffentlich mit den Hauptstädten, und wissen ein paar Geschichtsdaten. Wer seine Urlaube in Deutschland verbringt, kann etwas über die jeweiligen Regionen sagen. Das war's dann meistens auch schon. Das Gesicht Deutschlands des promovierten Biologen Bernd-Jürgen Seitz, der sich in der Landesverwaltung hauptberuflich mit dem Naturschutz und der Landespflege beschäftigt, bietet auch für diejenigen, die glauben, schon alles zu wissen, neue Einblicke. 

Was machte Deutschland zu dem, was es heute ist?

 

Diese Frage ist keinesfalls politisch, sondern historisch, geologisch, ökologisch und biologisch gemeint. Seitz setzt bei seinen Lesern keine besonderen Vorkenntnisse voraus, sondern beginnt praktisch bei null: Wo befinden sich die einzelnen Städte, Flüsse und Gebirge? Welche geologischen Besonderheiten kennzeichnen die einzelnen Gebiete Deutschlands und welche Tiere und Pflanzen werden typischerweise wo und warum in den einen oder anderen Lebensräumen angetroffen?
Nach dieser Einführung dreht er die Zeit zurück und teilt die deutsche (Erd-)Geschichte wie das Zifferblatt einer Uhr auf: Für jede Epoche wird erläutert, inwiefern die jeweiligen Veränderungen und Entwicklungen Auswirkungen auf die Natur und das Leben der Menschen hatten. Fachvokabular wird nur dort verwendet, wo es nötig ist, und immer unmittelbar erklärt.

Wo liegen in Zukunft die Schwerpunkte?

 

Bernd-Jürgen Seitz zeigt, um welche Probleme man sich in nächster Zukunft kümmern muss. Ganz vorn steht der Klimawandel und seine Folgen, aber auch der immer noch viel zu große Landschafts- und Flächenverbrauch durch Bebauung und die Ausweitung der Infrastruktur muss eingedämmt werden. Kritisch sieht er auch die stetige Intensivierung der Landwirtschaft und den Trend zu Monokulturen. Er spricht hier insbesondere die Umweltschäden an, die die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 nach sich gezogen hat: Seitdem der Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen dank der Fördergelder für Landwirte lukrativer ist als der von Futter- und Nahrungspflanzen, schreiten Erosion und Bodenzerstörung deutlich voran.
Weiteren Verbessserungsbedarf gibt es auch bei der Nachhaltigkeit, wobei es hier immer wieder zu Interessenkonflikten zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen kommt.  
Aber er bewertet die zahlreichen Einrichtungen von Naturparks und Biosphärenreservaten positiv. Die betroffenen Bürger lassen sich hiervon besonders gut überzeugen, wenn sie am Entstehungsprozess beteiligt sind und für sich wirtschaftliche Vorteile sehen; Letzteres ist eher keine Überraschung.

Alle Bundesländer auf einen Blick

 

Im letzten Kapitel widmet sich Seitz den einzelnen Bundesländern und geht dabei nicht nur auf statistische Daten ein, sondern gibt vor allem Hinweise, wo sich die jeweiligen Landschaften eines Bundeslandes besonders gut erleben lassen und wo Besucher Museen finden, die sich mit landschaftlichen, erdgeschichtlichen und naturkundlichen Themen befassen. Das Buch wird sehr gut durch seine zahlreichen Landschafts-, Tier- und Pflanzenfotos sowie Grafiken abgerundet. 
Das Gesicht Deutschlands eignet sich auch für Leser, die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben und ist durchgehend sehr gut verständlich geschrieben. Wer mehr über Deutschland und seine Landschaften wissen will, dem kann dieses Buch empfohlen werden.

Das Gesicht Deutschlands ist beim Theiss Verlag, einem Imprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt, erschienen und kostet als Hardcover 49,95 Euro sowie als eBook (epub oder pdf) 39,99 Euro. Ich bedanke mich bei Agentur Literaturtest, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat.

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