Freitag, 21. Juli 2017

# 109 - Eine Geschichte aus dem Mittelalter

Spannender Historienroman 

 

Rebecca Gablé ist bekannt für ihre lebendig geschriebenen historischen Romane, und Die fremde Königin fügt sich nahtlos in die Reihe der erfolgreichen Bücher der Autorin ein. Diesmal geht es um Adelheid von Burgund, die ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes König Lothar II. von Italien König Otto I. heiratet. Diese auch aus taktischen Gründen geschlossene Ehe rief erwartungsgemäß einige Gegner auf den Plan und führte auch in der eigenen Familie zu Verwerfungen. Die fremde Königin knüpft an die Handlung des Romans Das Haupt der Welt an. 

Historische Fakten geschickt verwoben mit Erfundenem

 

König Lothar II. von Italien wird 950 Opfer eines Giftmordes, und so ist seine Frau Adelheid im Alter von 19 Jahren plötzlich verwitwet. Markgraf Berengar von Ivrea steckt hinter dem Anschlag: Sein halbwüchsiger Sohn Adalbert soll die junge Witwe heiraten und so zum König von Italien aufsteigen. Doch auch die Kerkerhaft in Garda unter widrigsten Umständen kann Adelheid nicht dazu bringen, sich ein Ja-Wort abzuringen. Mithilfe des Panzerreiters Gaidemar gelingt ihr 951 zusammen mit ihrer kleinen Tochter Emma und ihren Begleitern die Flucht aus dem Verlies, und die Gruppe findet in der Burg des Grafen von Canossa Unterschlupf. Währenddessen ist König Otto I. über die Alpen gezogen, hat Berengar aus Pavia vertrieben und seinen Bruder Heinrich Herzog von Bayern ausgesandt, um Adelheid nach Parvia zu eskortieren. Der Zweck ist klar: Wie im Adel des Mittelalters üblich, soll auch diese Verbindung eine Zweckehe sein, die Otto zum König von Italien macht. Außerdem braucht Otto mehr Söhne, damit es nach seinem Tod kein Problem bei der Thronfolge gibt. Doch Otto und Adelheid haben ein weiteres großes Ziel: Der König plant die Errichtung einer prächtigen Pfalz in Magdeburg und die Gründung des Erzbistums Magdeburg, und sowohl er als auch seine Frau streben die Kaiserkrönung an. Doch zuvor müssen zahllose Intrigen überstanden und überlebt werden, ehe es in Rom dazu kommen kann. Auch die Pest, an der Otto 956 in Köln erkrankt, ist eine schwere Prüfung.

Pageturner bis zur letzten Seite

 

Rebecca Gablé spannt den Bogen von August 951 bis Januar 962, dem Zeitpunkt der Krönung des Königspaares zum Kaiser bzw. zur Kaiserin durch Papst Johannes XII. Wie schon in ihren anderen Romanen verwebt sie gekonnt historisch belegte Tatsachen mit selbst erdachten Personen und Handlungen. Am Ende ihres Buches weist sie jedoch detailliert auf alles hin, was ihrer Phantasie entsprungen ist.
Ebenfalls typisch für die Autorin sind Personen oder Personengruppen, die dem gesamten Verlauf einen roten Faden geben. In der fünfteiligen Reihe um die Familie Waringham (siehe auch Der Palast der Meere) war es eben diese, die alle Titel der Reihe durchzog und die Handlung zusammenhielt, die es aber nie gegeben hat. In Die fremde Königin ist es der Panzerreiter Gaidemar, der für den Fortgang des Romans unverzichtbar ist: Der junge Mann ist insbesondere gegenüber Adelheid sehr loyal, mutig und ehrlich und hat einen weichen Kern unter seiner harten Schale. Schade, dass auch er nicht gelebt hat.

Die fremde Königin ist bei Bastei Lübbe erschienen, hat inkl. des Nachworts ca. 760 Seiten und kostet in der gebundenen Ausgabe 26,-- €, als Audio-CD 20,99 €, als Kindle- oder epub-Edition 19,99 € und als Hörbuch 44,95 € (ungekürzt) oder 20,95 € (gekürzt). 

Vielen Dank!

Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorrätige Titel innerhalb eines Werktages.  
  

Dienstag, 18. Juli 2017

Veröffentlichung Marta Monti bei Indie Publishing

Zum Monatsbeginn hatte ich den Roman Der mit den Glasaugen der schweizerischen Autorin Marta Monti vorgestellt. Wer die Rezension gelesen hat weiß, dass das Buch bei mir nicht besonders gut weggegkommen ist. Das hat Indie Publishing, ein Angebot der Fachzeitschrift buchreport, jedoch nicht gehindert, sie zu veröffentlichen. Die Rezension ist im Indie-Publishing-Katalog bereits online lesbar und erscheint außerdem mit der nächsten gedruckten Ausgabe des Katalogs im Dezember 2017.

Freitag, 14. Juli 2017

# 108 - Eine deutsche Premiere: ein Krimi aus Gabun

Ein Reporter wird ermordet

 

Der Krimi Libreville von Janis Otsiemi ist der erste Roman eines Schriftstellers aus Gabun, der je ins Deutsche übersetzt wurde. Die Gelegenheit, auf diesem Weg einen Blick auf das westafrikanische Land zu werfen, wollte genutzt werden.


Korruption und Skrupellosigkeit sind an der Tagesordnung

 

An einem Montag des Jahres 2008 wird morgens um drei Uhr in der gabunischen Hauptstadt Libreville ein Toter in der Nähe des Präsidentenpalastes ins Meer geworfen. Einen Tag später wird er von Spaziergängern gefunden: Es handelt sich um den Investigativjournalisten Robert Missange, der der stellvertretende Chefredakteur des Échos du sud ist und sich durch seine Reportagen etliche Feinde gemacht hat. Er starb durch einen Schuss in den Hals, von seiner Schreibhand wurden ihm zwei Finger abgetrennt. Die Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen seinem Tod, den Folterspuren und seinen regierungskritischen Artikeln gibt, liegt nahe: In einem Jahr sollen die nächsten Wahlen stattfinden, der Sohn des derzeitigen Machthabers ist dazu vorgesehen, das Amt seines Vaters zu "erben". Da ist eine zügige Aufklärung nötig, mit der natürlich aufgrund der politischen Brisanz nicht einfache Polizisten, sondern Beamte der Police Judiciaire (PJ) beauftragt werden. Bei der Leiche wird eine Patronenhülse gefunden, die darauf hindeutet, dass Missange mit einer Maschinenpistole aus tschechoslowakischer Herstellung ermordet wurde. In Gabun benutzen nur die Leibwächter des Verteidigungsministers Waffen dieses Typs. Mit der Tatwaffe wurde jedoch schon einmal ein Mord begangen: Fünf Jahre zuvor wurde der Sicherheitschef des Verteidigungsministers mit dieser Pistole getötet. Aber die Ermittler haben den Verdacht, dass die Spuren absichtlich so gelegt wurden, dass sie von den wahren Tätern ablenken sollen.
Die Polizeiarbeit findet unter Verhältnissen statt, für die das Attribut "veraltet" noch geschmeichelt ist: Die technische Ausstattung der PJ besteht aus einer Schreibmaschine aus den 1960er Jahren, und es läuft viel über Informanten, das Verprügeln der Verdächtigen im sog. Purgatorium und Bauchgefühl.

Kein klassischer Krimi 

 

Libreville entspricht nicht dem, was sich europäische oder US-amerikanische Leser unter einem Kriminalroman vorstellen. Wer also gut ausgearbeitete Charaktere und jede Menge Spannung erwartet, sollte um dieses Buch einen Bogen machen. Janis Otsiemi stellt den Mord an Robert Missange zwar an den Anfang der Handlung und weist ihm so die größte Wichtigkeit zu, die Kriminalbeamten bearbeiten jedoch auch noch weitere Fälle: Da gibt es eine Fahrerflucht mit Todesfolge, einen pädophilen Pornoproduzenten und einen Ex-Minister, dem in einem Moment der Unachtsamkeit sein Scheckheft gestohlen und anschließend von den Dieben ausgiebig genutzt wird. Diese Fälle nehmen ebenso viel Raum ein wie der eigentliche Hauptfall und dienen wie dieser dazu, das Land und seine Strukturen zu beschreiben: Korruption ist so normal, dass man sich dort wohl fragen könnte, wie man ohne sie auskommt, die Verkommenheit nimmt mit jeder Stufe in der Polizeihierarchie zu und wie selbstverständlich "hält" sich jeder der Kriminalbeamten eine Art Zweitfrau, die er für ihre Dienste bezahlt, indem er die Kosten für Miete und Lebensführung übernimmt. Die Organisation dieses Nebenhaushalts und dessen Geheimhaltung finden während der Dienstzeit statt, da muss die Ermittlungsarbeit schon mal warten.

Der Autor hat derart viele Informationen über die Geschichte und aktuelle Situation Gabuns in den Text hineingearbeitet, dass sich unweigerlich die Frage stellt, für wen er dieses Buch eigentlich geschrieben hat. Für den Leser, der vor der Lektüre Gabun gerade mal buchstabieren und in Afrika verorten konnte, reichen die neuen Kenntnisse allemal für ein Kurzreferat. Aber: Ist es das, was ein Krimi haben sollte? Erwarte ich ein verkürztes Geschichtsbuch, wenn ich einen Kriminalroman kaufe?
Für dieses Buch spricht, dass es sich in seiner Erzählweise deutlich von typischen Krimis unterscheidet: Otsiemi fängt sehr gut die Stimmung ein, in der die Menschen leben und bedient sich Redewendungen, die eine Situation auf den Punkt bringen. Wenn eine Äußerung wie "Ein Mann so lang wie ein Tag ohne Brot" fällt, ist alles gesagt.
Wer also damit leben kann, dass Libreville nicht in das gewohnte Krimi-Muster passt, sondern sich etwas ganz Anderem öffnen will, sollte dieses Buch lesen.

Libreville ist im Polar Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 14 Euro sowie als epub- oder Kindle-Ausgabe 10,99 Euro. Ich bedanke mich bei bloggdeinbuch für ein Rezensionsexemplar.


 




Freitag, 7. Juli 2017

# 107 - Was ist schon perfekt?

Was ist schon "normal"

 

Eine bislang unspektakulär und in festen Bahnen verlaufende Ehe wird plötzlich einer Bewährungsprobe ausgesetzt, die alles, was bisher als gut und richtig galt, infrage stellt. Um dieses Grundproblem dreht sich die Handlung in Karen Hilgarths Roman Die verborgene Schönheit der Sterne. Liebe und Vertrauen sind wichtige Elemente dieses Buches, es gleitet jedoch nicht ins Kitschige ab.


Schlechte Nachrichten werfen das Lebenskonzept um


Martina und Leonhard leben in Berlin, sind seit zehn Jahren verheiratet, und als sie "Ja" zueinander sagten, war ihr fester Vorsatz, sich gegenseitig beizustehen, wenn das Leben es mal nicht gut mit ihnen meinen sollte. Sie haben keine Kinder, weil sie davon ausgehen, eine klassische Familie passe nicht in die Lebensplanung des anderen. In ihren Berufen fühlen sich beide zu Hause: Leonhard ist mit seinen 47 Jahren ein erfolgreicher und anerkannter Astrophysiker, er steuert als Wissenschaftler der Universität Berlin den deutschen Anteil am Large Hadron Collider (LHC) in Genf bei. Der LHC ist ein Prestigeobjekt, das den an ihm beteiligten Forschern ein großes Renommee verspricht: Mit dem Teilchenbeschleuniger soll unter geregelten Bedingungen der Urknall simuliert werden. Dieses Projekt ist Leonhard wichtig, aber noch wichtiger ist ihm Martina.
Martina nimmt den gefühlvollen Part der Beziehung ein: Sie ist 33 und arbeitet als Sozialarbeiterin im Trebercafé, einem Treffpunkt für Obdachlose. Dort versucht sie, den Menschen am unteren Rand der Gesellschaft Hoffnung oder doch wenigstens ein offenes Ohr zu geben. Genau wie ihr Mann hat sich auch Martina in ihrem Leben eingerichtet.
Doch dann wird Leonhard krank. Sein Zustand verschlechtert sich so rapide, dass er sich an Cornelius wendet, einen Bekannten aus der Studienzeit, der jetzt Professor an der Charité und Experte für Onkologie ist. Claudius stellt die erschütternde Diagnose: Leonhard leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs, er wird nur noch höchstens ein Dreivierteljahr zu leben haben.

Was ist normal angesichts des nahenden Todes?

 

Leonhard geht mit der Aussicht, nur noch wenige Monate zu leben, auf eine sehr spezielle Art um: Er stürzt sich noch mehr in seine Arbeit, als gelte es, der Welt ein wissenschaftliches Vermächtnis zu hinterlassen, das eng mit seinem Namen verknüpft ist. Martina, die ihm beistehen und ihn so gut wie möglich unterstützen will, kommt in seinen Planungen nicht vor. Auch der Inhalt der Gespräche mit Cornelius bleibt seine Angelegenheit, die er nicht mit seiner Frau teilt. Durch die Ehe zieht sich ein Riss, der Martina in ein emotionales Loch fallen lässt. Kurz vor der Diagnose lernt sie zufällig den katholischen Priester Jarek kennen. Jarek und Martina fühlen sich zueinander hingezogen, und Martina beginnt mit dem Geistlichen eine Affäre - dem Zölibat zum Trotz. Für Jarek fällt diese Begegnung in eine Zeit des Zweifelns: Er ist mit sich und Gott nicht im Reinen und fühlt sich in der von ihm betreuten Gemeinde, in der Beerdigungen an der Tagesordnung und Trauungen eine seltene Ausnahme sind, fehl am Platz. Doch Jarek ist ein empathischer Mensch und merkt, dass Martina mit der Erkrankung ihres Mannes und allen ihren Begleiterscheinungen überfordert ist. Er kommt Martinas Wunsch nach, sich um Leonhard zu kümmern. Jarek besucht den Todkranken und ficht mit ihm in mehreren Gesprächen eine scharfsinnige Diskussion über die Bedeutung von Wissenschaft und christlichem Glauben aus. Die Beziehung zwischen den drei Personen erinnert immer stärker an die Bewegungen eines Kugelstoßpendels.

In einer Nebenhandlung wird ein Blick auf das Leben des Obdachlosen jungen Mannes Mike geworfen, der von Martina im Trebercafé die Unterstützung bekommt, die er braucht, um noch mal neu anzufangen. Während er seinen Schulabschluss nachholt, lernt er Jenny kennen und lieben. Auch sie kommt aus einem sozial schwierigen Milieu, ist aber deutlich willensstärker als ihr Freund, der seine Tage bislang mit seinem besten Kumpel, dem Alkohol, verbracht hat. Ihre Geschichte zeigt Martina, dass man das Erlebte nicht auslöschen kann, aber dass das Leben immer weitergehen würde.


Wie war's?

 

Die verborgene Schönheit der Sterne ist ein ungewöhnlicher Roman. Jedes der 39 Kapitel wird von einem Exkurs in die Welt der Astrophysik eingeleitet. Diese Zeilen stellen eine Verbindung zum Verlauf der Handlung dar, was sich jedoch manchmal erst auf den zweiten Blick erschließt. Karen Hilgarth hat die Figuren ihres Romans klar gezeichnet, ihr Hang zu langen Sätzen erschwert jedoch manchmal das flüssige Lesen. Dennoch ist das Buch keines, das man nach dem Lesen einfach zur Seite legt: Es gibt seinen Lesern Anregungen, über sich, ihr Leben und ihre Rolle, die sie darin einnehmen, nachzudenken.

Die verborgene Schönheit der Sterne ist im ProTalk Verlag erschienen und wurde mir von der Fachagentur für Kultur- und Medienkommunikation Kongking.de zur Verfügung gestellt. Der Titel wird nur als E-Book vertrieben und ist für 8,99 Euro erhältlich.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Die aktuellen Top-Hörbücher

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Krimis, guter Rat, leichte Unterhaltung: Das sind die beliebtesten Hörbücher

 

Hörbücher erobern sich nach und nach eine stabile Position auf dem Büchermarkt, denn immer mehr Kunden wissen ihre Vorteile zu schätzen. Ein Hörbuch muss nicht mehr auf einer CD sein, sondern ist nur noch eine Datei auf dem PC, Smartphone oder Tablet und kann deshalb problemlos überallhin mitgenommen werden. Ein Hörbuch ist immer dann praktisch, wo sich ein Buch nicht lesen lässt: Menschen mit einer Sehbehinderung profitieren ebenso wie Autofahrer davon, dass ihnen vorgelesen wird. Ein Hörbuch kann auch parallel zu einer anderen Tätigkeit wie z. B. der Hausarbeit gehört werden. In der Regel werden Hörbücher von den Autoren, professionellen Sprechern oder Schauspielern vorgetragen, sodass "Leser" auf eine sehr gute Qualität vertrauen können.

Große Bandbreite bei der Auswahl an Hörbüchern

 

Die Vorlieben der Hörbuchkunden zeigen, wie groß die Auswahl in den letzten Jahren geworden ist. Der führende Anbieter für Hörbücher audible zeigt auf seiner Homepage, welche Titel gerade am beliebtesten sind. Dies sind die Top 5 der 27. Kalenderwoche 2017:

1. In Und in dir die Finsternis von Kevin O'Brian geht es um die in Seattle lebende Megan, die vor 14 Jahren auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann ein völlig neues Leben begonnen hat. Niemand weiß von ihrer Vergangenheit, als sie noch Lisa hieß. Doch dann kommen zunächst mysteriöse Anrufe, in denen ihr früherer Name fällt. Die Bedrohung spitzt sich zu, als ihr Sohn nachts aus dem Haus entführt wird.









2. Mit Am Arsch vorbei geht auch ein Weg gibt Alexandra Reinwarth ihren Lesern (und Hörern) den Rat, nicht länger nach jedermanns Pfeife zu tanzen, sondern klare Entscheidungen zu treffen, um sich nervtötende Mitmenschen vom Hals zu halten. Motto: Wie gehe ich auf Distanz zu Arschlöchern, ohne selbst eines zu werden?








3. Ich schenk dir die Hölle auf Erden ist ein Unterhaltungsroman, in dem die Autorin Ellen Berg über die Ehefrau und Mutter Carina erzählt, deren Mann nach zehn Jahren Ehe fremdgeht und seiner Geliebten all die schönen Dinge ermöglicht, die sich Carina immer erträumt hatte. Die Betrogene macht sich einen Schlachtplan, um den treulosen Gatten in die Hölle einer Scheidung zu schicken.







4. Schwarzwasser ist der siebte Teil der Krimi-Reihe um Kommissar Wallner. Der Autor Andreas Föhr lässt einen Mann gewaltsam sterben, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Was hat es mit dem Ermordeten auf sich? Und wem lag etwas an seinem Tod?









5. Da die Menschen böse sind des bekannten Krimi-Autors Markus Heitz nimmt seinen Anfang im Hörsaal einer Privathochschule: Professor Martens zeigt den Studenten im Rahmen seiner Vorlesung über die Grundlagen des Behaviorismus einen Film, der zeigt, wie gezielt ausgesuchte, aber ahnungslose Gäste bei der Eröffnung eines Privatclubs plötzlich eingeschlossen werden. Die Regeln: In den nächsten 24 Stunden können alle tun, was sie wollen. Drogen und Waffen stehen zur Verfügung. Es beginnt ein Szenario des Schreckens. Wird es jemand schaffen, diese Vorhölle zu überleben? Und wer hat das alles inszeniert?



  

Montag, 3. Juli 2017

Kochen, leiden, lieben und ermitteln - das war der Juni

Im Juni war die Bücherkiste in Europa und Afrika

 

Der Monat begann mit dem Roman Palast aus Staub und Sand des Autors Haroon Gordon. Er erzählt von der tiefen Freundschaft zweier Jungen in einem algerischen Frauengefängnis: Der eine ist der Sohn des Gefängnisleiters, der andere wurde auf dem Anstaltsgelände als Kind einer Insassin geboren. Was beide zunächst nicht wissen: Zwischen ihnen steht ein Geheimnis, dessen Folgen sich im Laufe der Jahre immer stärker auswirken sollen und zu einer dramatischen Zuspitzung führen. Tipp: Lesen!
Haroon Gordon präsentiert sich und seine Arbeit als Autor auf seiner Homepage. Und hier geht es zum Buchtrailer:

  





Kochen, essen, leben, genießen: Das Kochbuch Baskisch des in London lebenden spanischen Spitzenkochs José Pizarro ist nicht nur eine vielfältige Sammlung facettenreicher Gerichte aus der nordspanischen Provinz, sondern weckt beim Leser wegen seiner zahlreichen Fotos von Land und Leuten auch Lust, das Baskenland zu bereisen und es mit allen Sinnen zu erleben. Auch für dieses Buch gibt es darum eine dicke Empfehlung. Auch José Pizarro hat selbstverständlich eine Homepage, wo er nicht nur seine Restaurants und Bücher, sondern auch fast 40 Rezepte vorstellt. Die britische Tageszeitung The Guardian hat eine eigens für Pizarro aufgebaute Webseite eingerichtet, auf der sich ebenfalls zahlreiche Rezepte, aber auch Koch-Videos mit und von ihm befinden.




Versuchung von Harry Luck wirft einen Blick in die nächste Zukunft: Schon 2020 hat sich die Welt, wie wir sie kennen, sehr geändert. Der Konzern SkyCorp hat jetzt bei allem, was irgendwie mit elektronischer Kommunikation zu tun hat, die Hände im Spiel. Doch es gibt Gerüchte, dass der Unternehmenschef Marc Donnelly eine neue Version der Suchmaschine Sky-Search nur deshalb nicht herausgeben will, weil interne Vorgänge vertuscht werden sollen. Die Journalisten Adam Berger und Eva Röller werden von ihrem Arbeitgeber worldnews auf Donnelly angesetzt und begeben sich dabei in tödliche Gefahr. Gute Unterhaltung, auch wenn der Spannungsbogen ein paar Durchhänger hat. Auf Harry Lucks Homepage erfahren seine interessierten Leser alles über seine Arbeit als Autor und Journalist. 




Das letzte im Juni vorgestellte Buch war Spanish Bombs von Ulf Krämer. Mitten in das satte und gleichförmige Leben von Anders Sulla platzt Post aus Spanien: Ein Massengrab in Sevilla, in dem neben anderen sterblichen Überresten von durch Franco-Getreue ermordeten Widerstandskämpfern auch die Gebeine seines Großvaters liegen sollen, wird in Kürze geöffnet. Alle ermittelten nächsten Angehörigen der Toten sind zu diesem Termin eingeladen worden. Sulla macht sich ohne Abschied in einem gemieteten Wohnmobil auf die Reise und begegnet unterwegs Menschen, die sein bisheriges geordnetes Leben kräftig auf den Kopf stellen sollen. Ein gut geschriebener Roman, der wie nebenbei ein Stück spanische Geschichte vermittelt.
Auch Ulf Krämer hat eine Homepage, auf der er seinen Lesern zeigt, was sein Leben ausmacht. Krämer ist als Jonny Brewster auch mit der Punk-Band Mr. Spinalzo unterwegs. Hörproben gibt es bei myspace.
 

Samstag, 1. Juli 2017

# 106 - Ein Kind verschwindet

Eingespieltes Ermittlerteam stößt an seine Grenzen

 

Der mit den Glasaugen ist der zweite Teil einer Trilogie der schweizerischen Autorin Marta Monti, bei der wie schon im ersten Roman Auf ein Ewiges das Ermittlerduo Beta Bianca und Benno Bertschi (B&B) im Mittelpunkt steht. Sie und ihre Kollegen der Kriminalpolizei Bern müssen sich gleich zwei Themen stellen, die auch gestandenen Ermittlern an die Nieren gehen.

Wo ist Jan?

 

Alice Köhler hat ihren Mann verlassen und den fünfjährigen gemeinsamen Sohn Jan mitgenommen. Mit ihrem neuen Freund Richard Lang plant sie, nach Sardinien auszuwandern und dort ein neues Leben zu beginnen. Jan soll mitkommen, was weder das Kind noch dessen Vater will. Doch die Wünsche ihrer Mitmenschen lassen Alice Köhler kalt: Sie beeindruckt nicht durch ein mitfühlendes Wesen, sondern durch ihr blendendes Aussehen. Eines Abends bringt sie ihren Sohn ins Bett und verlässt das Haus, um sich mit ihrem Freund in einer Bar zu treffen. Nach ihrer Rückkehr ist das Kind unauffindbar. Mit ihrer Aussage, die offensichtliche Lügen enthält, gerät sie schnell in den Verdacht, etwas mit Jans Verschwinden zu tun zu haben. Allerdings äußert sie die Vermutung, ihr Ex-Mann könnte das Kind entführt haben, um zu verhindern, dass sie Jan mit nach Italien nimmt. Diese Theorie ist auf den ersten Blick gar nicht so unwahrscheinlich, denn zwischen den früheren Eheleuten herrscht eine erbitterte Feindschaft, bei der Jan als Spielball missbraucht wird. Außerdem befinden sich auf Köhlers Segelyacht Jans Teddy und sein Lieblingsbecher. Beide Gegenstände begleiten den Jungen, ohne sie geht er nirgendwo hin. 

Selbstsucht und Gefühlskälte bestimmen das Handeln


B&B erkennen rasch, dass es den Eltern nicht in erster Linie um das Wohl des Kindes geht, sondern darum, dem ehemaligen Partner zu schaden und ihm das Leben schwer zu machen. Ihre Befragungen ergeben allerdings auch, dass Jan Richard Lang auf die Nerven geht und er ihn auf keinen Fall mit nach Sardinien nehmen will. Auch er macht sich verdächtig. Je mehr Einzelheiten die Beamten über den Alltag der Familie Köhler herausfinden, desto mehr Personen kommen in Betracht, etwas mit Jans Verschwinden zu tun zu haben oder etwas darüber zu wissen. Zwei Dinge stehen jedoch fest: In der Verwandtschaft und Nachbarschaft der Familie gibt es praktisch niemanden ohne eine seelische Störung oder ein sonderbares Sozialverhalten. Ein besonderes Augenmerk haben die Beamten auf den einschlägig vorbestraften Nachbarn Seiler, den sie rasch verdächtigen, mit Kinderpornographie und Kindesmissbrauch zu tun zu haben. Auch ein bekannter Bauunternehmer und ein Justizbeamter geraten in den Fokus der Nachforschungen. Und: So sehr die Berner Kripo den Jungen sucht, es gibt keine brauchbare Spur, die zu ihm führt. Die Akten werden vorläufig geschlossen.

Kommissar Zufall bringt die Ermittlungen voran

 

Eineinhalb Jahre später wird Jans Leiche von zwei Kletterern in einer Felsspalte der Falkenfluh, einem Kletterberg zwischen Bern und Thun, gefunden. Noch vor der pathologischen Untersuchung ist klar, dass es sich um das vermisste Kind handeln muss, da der Junge einen auffälligen Pyjama trägt. Der Fall wird wieder aufgerollt, und die Ermittlungen nehmen Fahrt auf. Der Rechtsmediziner findet heraus, dass Jan wahrscheinlich erstickt wurde. Das Duo B&B hofft im Zuge einer Dienstreise, in Italien neue Erkenntnisse zu gewinnen. Der Fundort und die ungewöhnliche Körperhaltung des toten Kindes engen den Kreis der möglichen Täter deutlich ein.

Wie war's?


Der mit den Glasaugen ist ein Krimi, der sich einem Thema widmet, das so gut wie niemanden kalt lässt: Verbrechen an Kindern erschüttern auch dann, wenn man die Opfer nicht gekannt hat. So ist es auch hier. Die Autorin nutzt jedoch die Chancen, die dieses Delikt für den weiteren Verlauf bietet, nicht aus: Der Handlung fehlt es an Spannung, und der Verdacht, dass das Kind nicht mehr am Leben ist, drängt sich dem Leser bereits zu einem Zeitpunkt auf, als die Ermittler noch Hubschrauber und Mantrailer in die schweizerische Bergwelt schicken. Die Untersuchung der Alibis der dringend Verdächtigen und die Überprüfung aller Aussagen auf Unwahrheiten und Widersprüche werden erst begonnen, nachdem das tote Kind gefunden wird. Da drängt sich die Frage auf, warum man die letzten 18 Monate nicht sinnvoll genutzt und diese Basisarbeit erledigt hat. 
Wer den ersten Teil der Trilogie nicht gelesen hat, hat es mitunter schwer, sich in die Figuren hineinzuversetzen: Mehrere Beamte haben sehr spezielle Verhaltensmuster, die zunächst nur als schrullig wahrgenommen werden können. Was hinter ihnen steht, können sich die Leser im weiteren Verlauf zusammenreimen, wirklich verstehen kann man sie nicht.
Wer das Buch aufmerksam liest, stolpert immer wieder über Ungereimtheiten: Dass die Fassadenreinigung des Berner Polizeigebäudes auch nach eineinhalb Jahren noch in vollem Gange ist und einer der Kriminalbeamten verschiedenfarbige Pupillen haben soll, sind die kleineren Ungenauigkeiten. Ein Lektorat hätte der Handlung gutgetan. Auch ein Korrektorat hätte geholfen, die zahlreichen den Lesefluss bremsenden Kommafehler zu vermeiden und dem Genitiv eine Chance zu geben.

Der mit den Glasaugen ist bei tredition erschienen und als E-Book (2,99 €), Paperback (15,99 €) und Hardcover (23,99 €) erhältlich.
 

Samstag, 24. Juni 2017

# 105 - Freifahrtschein von der Komfortzone in den Terrorismus

Wenn da noch ein paar Rechnungen offen sind

 

Mit Spanish Bombs taucht Ulf Krämer in die spanische Geschichte während der Franco-Zeit ein, deren tiefe gesellschaftliche Gräben bis in die Gegenwart fortdauern. Vergeben und vergessen - dieses Motto passt zu keinem der Protagonisten.


Die Schatten der Vergangenheit


Anders Sulla ist 38 Jahre alt, ein bestenfalls mittelmäßiger Bühnenschauspieler und mit der vermögenden Nadine verheiratet. Das Paar hat sich in seinem Leben komfortabel eingerichtet: Gemeinsame Kinder soll es nicht geben, man gönnt sich Reisen und andere Unternehmungen und hat Kontakt zu Menschen, die genauso ticken wie man selbst. Das Leben plätschert so dahin, und das, was man in diesen Kreisen als Abenteuer bezeichnet, ist das, was das Programm von Eventanbietern so hergibt. Doch dann erhält Anders, den so gut wie alle, auch seine Frau, nur mit seinem Nachnamen ansprechen, unerwartete Post: Eine spanische Gesellschaft für Erinnerungskultur teilt ihm mit, dass es wahrscheinlich gelungen sei, ein Massengrab aufzuspüren, in dem sich die Gebeine seines Großvaters Joaquin befinden. Dieser habe der republikanischen Brigade Lorca angehört und sei 1954 erschossen worden. In einer Woche sei die Graböffnung in Sevilla vorgesehen, wozu man ihn als Joaquins Enkel herzlich einlade.
Sulla zögert nur kurz und mietet sich dann kurzentschlossen ein Wohnmobil. Ohne Nachricht oder Abschied macht er sich allein auf den Weg nach Andalusien. Die Premiere der Carmen-Adaption, in der er die Rolle des Toreros Escamillo spielen sollte, würde er verpassen, was er leichten Herzens hinnimmt. Doch seine Vorstellung, er könnte auf der Fahrt nach Südspanien etwas Abstand bekommen und den Kopf freikriegen, stellt sich rasch als Trugschluss heraus: Kurz hinter Lyon gabelt er die 17-jährige Deutsche Sophie auf, die offensichtlich verfolgt wird. Mit der Ruhe ist es jetzt vorbei. In Tarragona treffen sie in einer Wohnung von Sophies Internetbekanntschaft Yussuf auf die junge Teresa, die sich ihnen bis Málaga anschließen will und in Sulla den Verdacht weckt, sie könnte eine Terroristin sein. Bei einem kleinen Umweg über Madrid nehmen sie Sullas alten Kumpel Lars in ihre kleine Runde auf. Das macht die Fahrt nicht entspannter.


Wer interessiert sich für die Toten in einem Massengrab?

 

Die amerikanische Kriegsreporterin Ava Svensson ist ebenfalls auf dem Weg nach Sevilla. Auf ihre Initiative hin ist es zu dem offiziellen Exhumierungstermin, zu dem die Angehörigen aller dort bestatteten Freiheitskämpfer eingeladen wurden, gekommen. Auch sie hat eine persönliche Motivation, die sie antreibt: Zusammen mit ihrem Onkel Phil, einem erfahrenen Reporter, und einem Fotografen, war sie in Kolumbien in eine Sprengfalle geraten, die ihren Onkel das Leben gekostet hatte. Er verfolgte damals die Spur seines ermordeten Vaters, dessen Leiche sich in dem andalusischen Massengrab befinden sollte. Jonathan Svensson gehörte allerdings nicht der Brigade Lorca an, sondern war als Reporter in Spanien gewesen. Ava hat das Gefühl, Phil etwas schuldig zu sein und setzt dessen Nachforschungen fort.
Schon kurz nach ihrer Ankunft in Sevilla trifft Ava auf den merkwürdigen Taxifahrer Jésus, der sich auf der Suche nach dem seiner Meinung nach besten Tapaskoch der Welt befindet: Alfonso, der seit Jahren das Restaurant La Orilla betreibt. Alfonso ist von einem Tag auf den anderen wie vom Erdboden verschluckt. Jésus' Nachforschungen gehen zunächst ins Leere, aber nachdem er einen alten Bekannten, den er aus seinen früheren Tagen als Krimineller kennt, um Hilfe gebeten hat, bekommt er eine heiße Spur. Doch es gibt Leute, die die Graböffnung verhindern wollen und die ebenfalls auf der Suche nach Alfonso sind, auch wenn sie ihn nicht unter diesem Namen kennen. Eine ganze Reihe von Menschen muss um ihr Leben fürchten, während andere es so schnell verlieren, dass sie vor ihrem letzten Atemzug nicht mehr zum Nachdenken kommen.

Wie war's?

 

Spanish Bombs wird im Klappentext als Road-Story bezeichnet, was die Atmosphäre sehr gut trifft. Ein großer Teil der Handlung findet auf Straßen oder Parkplätzen statt, und nicht nur Sulla ist in diesem Roman auf der Suche nach der Freiheit und sich selbst. Der Buchtitel schlägt die Brücke zwischen der Diktatur unter Franco sowie der Verfolgung und Ermordung der Widerstandskämpfer durch die spanischen Faschisten und dem gleichnamigen Song der Punk-Band The Clash, der das Thema ebenfalls aufgreift.
Ulf Krämer baut die Geschichte des Widerstands gegen das Franco-Regime und die unrühmliche Rolle der Guardia Civil immer wieder geschickt in die Handlung seines Romans ein. Wer bislang noch nichts über diesen Teil der spanischen Geschichte wusste, erhält so zumindest einen Eindruck dessen, was sich unter der Diktatur des "Caudillo" zwischen 1936 und 1975 in Spanien abgespielt hat. 
Spanish Bombs ist sehr flüssig geschrieben und wird an keiner Stelle langweilig.
Die Handlung ist - locker formuliert - ziemlich abgefahren. An manchen Stellen befindet sie sich auf einem schmalen Grat zwischen einer knappen Glaubwürdigkeit und der beginnenden Zweifelhaftigkeit. 
Ab etwa der zweiten Buchhälfte hätte das Korrektorat gern aufmerksamer sein dürfen. Zu oft finden sich Fehler, die sich störend auf den Lesefluss auswirken.

Spanish Bombs wurde bei epubli veröffentlicht und kostet als Taschenbuch 16,99 €.

 

  

Freitag, 16. Juni 2017

# 104 - Adam und Eva sind in der Gegenwart angekommen

Ein Zukunftsszenario, an dem wir sehr dicht dran sind 

 

2020: Die politische und gesellschaftliche Landschaft in Deutschland hat sich gehörig verändert. Die CSU ficht zum x-ten Mal einen Machtkampf aus, der der Presse aber keine Meldung wert ist. Provinzparteien, die am Boden liegen, interessieren nun mal keinen Menschen. Dieter Bohlen sitzt immer noch in der DSDS-Jury, tauscht aber wieder mal die Mitjuroren aus, weil sie ihm wegen ihres Alters nicht mehr zur Zielgruppe zu passen scheinen. Und die heutigen Global-Player Amazon, Microsoft, Google, Facebook und Apple sind in der Bedeutungslosigkeit versunken, seitdem sie von dem Mediengiganten SkyCorp geschluckt wurden. Dessen Chef Marc Donnelly gibt sich privat äußerst bedeckt und geht auch mit Unternehmensinformationen sehr sparsam um. SkyCorp ist auf dem Weltmarkt so dominant, dass praktisch jede Firma und jede Branche mehr oder weniger von dem Konzern abhängig ist. Ob Internet, Mobilfunk, Datenbanken, Suchmaschinen: 97 % des Marktanteils befinden sich in der Hand des Unternehmens. Doch es gibt Gerüchte, die in Medienkreisen die Runde machen: Die längst erwartete neue Version der Sky-Suchmaschine Sky-Search soll nicht auf den Markt kommen, um irgendetwas zu vertuschen. Das macht den Chefredaktuer bei worldnews.de, Dr. Leo Nolte, hellhörig. Er will ein "frisches Gesicht" für ein Interview auf Donnelly ansetzen und schlägt Eva Röller vor. Vor diesem Hintergrund baut sich die Handlung im Roman Versuchung des Autors und Journalisten Harry Luck auf, der damit bereits sein 14. Buch veröffentlicht hat.


Jungreporterin trifft einflussreichen Strippenzieher


Eva Röller ist eine junge, arbeitslose Nachwuchsjournalistin aus Berlin, die aber immerhin von sich sagen kann, schon mal mit einem spektakulären Interview, das sie mit dem Berliner Innensenator geführt hatte, auf sich aufmerksam gemacht zu haben. Sie hat erst seit Kurzem ihren Bachelor in der Tasche und hofft auf irgendeinen Job, der nicht in der Redaktion eines Werbeblättchens ist. Da kommt ihr das Angebot von Nolte beinahe wie ein Sechser im Lotto vor: Er beauftragt sie, mit dem medienscheuen Donnelly in Bangkok am Hauptsitz von SkyCorp ein Interview zu führen. Den Kontakt zu worldnews.de hält sie über den Kollegen Adam Berger. Eva sieht in diesem Job ihre große Chance und schafft es tatsächlich, einen Termin beim Firmenboss zu ergattern. Doch das Interview läuft nicht so, wie sich es vorgestellt hat, und viel zu spät merkt Eva, dass Donnelly ihr eine Falle stellt, um ihre Glaubwürdigkeit und Seriosität zu untergraben. Doch sie stößt bei ihren Recherchen auf den Namen Tom Baron und erfährt von dem worldnews-Reporter Pöschke, dass dieser für den großen wirtschaftlichen Erfolg der SkyCorp verantwortlich gewesen ist und bereits als Nachfolger von Donnelly aufgebaut worden war, dann aber 2015 nach einer Pressekonferenz plötzlich von der Bildfläche verschwand. Sein Name ist seitdem nirgends mehr aufgetaucht, aber Pöschke weiß, dass Baron noch leben muss: Der ehemalige Geschäftsmann erhält jeden Monat von SkyCorp eine üppige Gehaltszahlung, die ihm auf ein Konto einer Berliner Bank überwiesen wird. Die Situation wird noch undurchsichtiger, als Eva in Bangkok in einen Hinterhalt gerät und ihr Skyphone gestohlen wird. Doch die Unterlagen, die sie kurz zuvor von Pöschke erhalten hat, finden die Täter nicht. Eva setzt ihre Ermittlungen nun in Berlin fort und wird dabei von Adam untertsützt. Die beiden befinden sich in höchster Gefahr, als Eva in den Besitz eines Speichersticks gerät, auf dem sich der Programmcode der neuesten Version von Sky-Search befindet. Mit ihm ist es möglich, alle auf der Welt elektronisch verfügbaren Daten einzusehen und zu manipulieren.

Wie war's?

 

Versuchung  ist ein unterhaltsames Buch, das zeigt, welche Zukunft wir hinsichtlich der Sicherheit und Transparenz unserer Daten möglicherweise noch vor uns haben. Der Roman wurde bereits 2014 als Hardcover herausgegeben und damals noch als Thriller bezeichnet. In der jetzt neu aufgelegten Taschenbuchausgabe spricht Luck nur noch davon, dass sein Buch ein Roman ist. Diesen veränderten Blick würde ich unterstützen, weil ich mir unter einem Thriller ein Werk mit einem besser ausgearbeiteten Spannungsverlauf vorstelle. 
Die von Luck erwünschte Parallele zwischen dem biblischen Paar Adam und Eva und den beiden Journalisten gleicher Namen in Versuchung hätte besser ausgearbeitet werden müssen, um glaubwürdiger zu wirken. An manchen Stellen wirkt die Annäherung der beiden etwas gewollt.

Aber der Autor blickt auch mit Humor auf das, was uns in nur noch drei Jahren erwartet: Er sieht Til Schweiger zum zwölften Mal gleichzeitig als Produzenten und Schauspieler zusammen mit seiner Tochter Emma in seinem neuesten Film "Dosenravioli". Eines ist sicher: Til Schweiger ist da auf einem guten Weg.

Versuchung ist in der mir vorliegenden Taschenbuchausgabe 2017 bei epubli erschienen und kostet 9,99 Euro. 

Freitag, 9. Juni 2017

# 103 - Leben wie Gott im Baskenland

Dort, wo es an jeder Ecke ein Sternerestaurant gibt

 

Gut, "an jeder Ecke" ist etwas übertrieben, aber eines stimmt: In den beiden bekanntesten baskischen Städten Bilbao und San Sebastián findet sich bezogen auf die Zahl der Einwohner die größte Dichte an vom Guide Michelin ausgezeichneten Restaurants. Für 2017 weist der Restaurantführer in Bilbao acht und in San Sebastián sogar neun hochklassige Gourmettempel aus, die mit mindestens einem Stern bedacht wurden. Diese Liebe zu gutem Essen schlägt sich auch auf das Angebot des örtlichen Lebensmittelhandels durch, wo Qualität eine große Rolle spielt.
José Pizarro ist es mit seinem Buch Baskisch gelungen,  seinen Lesern das Lebensgefühl der Basken ein Stück näher zu bringen. Er beschränkt sich nicht nur auf die textliche Darstellung der einzelnen Gerichte, sondern hat aus seinem Kochbuch auch einen Fotoband gemacht.

Das bietet dieses Buch

 

© Laura Edwards
Baskisch beinhaltet 85 Rezepte von Pintxos (baskische Tapas) bis zu Hauptgerichten und ist im Wesentlichen in die Kapitel Fleisch, Fisch, Gemüse und Desserts unterteilt. Für alle, die keine Erfahrung im Kochen von baskischen Gerichten haben, aber gern ein Menü zaubern würden, hält Pizarro einige Vorschläge bereit. Was da auf den ersten Blick nach einer Herausforderung aussieht, wird von ihm gleich etwas entschärft: Viele Gänge können am Vortag oder sogar mehrere Tage im Voraus vorbereitet werden, sodass keine Hektik entsteht.
© Laura Edwards
Das Niveau der einzelnen Gerichte liegt zwischen 'für Anfänger geeignet' und 'anspruchsvoll'; die Zutaten sind in gut sortierten Supermärkten erhältlich. 
Das Buch schließt mit einem Register, in dem die Zutaten alphabetisch aufgelistet sind und ihnen die entsprechenden Rezepte zugeordnet werden.

 



Kaufen?

 

Baskisch ist sein Geld wert. Es überzeugt nicht nur durch seine Gerichte, sondern ist mit so vielen Fotos von Menschen, der baskischen Landschaft, historischen Gebäuden, Stillleben und - ach ja! - baskischen Gerichten ausgestattet, dass man es auch zur Hand nehmen kann, wenn man es nicht als Kochbuch benötigt.
© Laura Edwards
José Pizarro wurde 2014 zu einem der Los 100 españoles más de 2014 influyentes, also zu einem der 100 einflussreichsten Spanier, gewählt. Diese Ehrung wird an Spanier vergeben, die auf ihre spanische Herkunft stolz sind und dies auch durch ihre Tätigkeit öffentlich machen. Er betreibt in London drei spanische Restaurants und wurde 2017 vom Harpers's Magazine auf die Liste der Top 100 der einflussreichsten Menschen aus der Gastronomie gesetzt. Seinen ursprünglichen Plan, als Zahntechniker zu arbeiten, hat er vor mehr als 20 Jahren aufgegeben. Glücklicherweise.

Baskisch wurde mir von bloggdeinbuch zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Es ist im Hölker Verlag erschienen und kostet 29,95 Euro. Außer über die üblichen Vertriebswege kann es auch beim Spiegelburg-Shop bestellt werden.

Ich bedanke mich bei der Abteilung Presse & Öffentlichkeitsarbeit (Michelle Minwegen) des Coppenrath Verlags GmbH & Co. KG, die mir alle Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.
 



Donnerstag, 1. Juni 2017

# 102 - Schuld, Rache und Vergebung

Von der gnadenlosen Hitze Algeriens ins moderne Frankreich und zurück

 

Baptiste Dumont ist 67, als er eines Nachts einen Anruf aus dem Krankenhaus erhält. Seine geliebte Frau Claire, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet gewesen war, hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Er ist nun allein; seine Tochter, sein Schwiegersohn und seine Enkelin sind schon vor sieben Jahren nur wenige Tage nach der Geburt des Kindes bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Jetzt, da mit Claire der Mittelpunkt und Anker seines Lebens nicht mehr da ist und er spürt, dass sich auch für ihn unaufhaltsam der Tod nähert, fasst er einen Entschluss: Er verkauft die Wohnung in dem kleinen Dorf in der Provence, in der er mit Claire sein Leben verbracht hat, und schließt sich jungen Leuten an, die mithilfe eines Wohltätigkeitsprojekts das Schulhaus in dem malawischen Dorf Chila um ein Waisenhaus erweitern wollen. Mit der jungen Ella, die mit dem Projektgründer liiert ist, verbindet ihn bald eine besondere Freundschaft. In seinem Debütroman Palast aus Staub und Wind schreibt Haroon Gordon über Freundschaft, Liebe, Hass und Tod.

Frauengefängnis unter algerischer Sonne

 

In den 1930-er bis 1950-er Jahren wachsen im Frauengefängnis Agda zwei Jungen auf: Baptiste ist der Sohn von Gefängnisdirektor Colonel Dumont und von Celine Dumont, die der Familie zuliebe ihre Karriere als Pianistin an den Nagel gehängt hat. Im Gefängnis wächst der nur ein Jahr jüngere Gabriel als Sohn einer Inhaftierten heran, die ihn dort geboren hat. Die beiden sind die einzigen Kinder und werden zu besten Freunden. Doch Baptiste spürt bereits als Jugendlicher, dass die Ehe seiner Eltern belastet ist: Sein Vater hat im Alkohol einen ständigen Begleiter gefunden, die Mutter kapselt sich ab und wird psychisch krank. Doch niemand spricht mit dem Jungen über den Grund für diese Veränderungen. Auch, warum Celine für Gabriel nur Hass übrig hat, ist den beiden Freunden ein Rätsel. 
Erst als junger Mann erfährt Gabriel durch eine ehemalige Mitinsassin seiner Mutter von dem dunkeln Geheimnis der Dumonts. Die Situation eskaliert, es gibt einen mit Absicht Getöteten und einen weiteren, der versehentlich zu Tode kommt. Baptiste hat nie jemandem von seiner Vergangenheit erzählt. Doch während eines Unwetters in Chila, als Ella lebensgefährlich erkrankt und außer Baptiste niemand da ist, bleibt er bei ihr und erzählt der jungen Frau seine Geschichte. Ella wird wieder gesund, doch nun ist Baptiste erkrankt. Als er erkennt, dass sein Ende nah ist, bittet er Ella um ein Versprechen: Sie soll an seiner Stelle nach Agda reisen und etwas für ihn erledigen, damit seine Seele ihren Frieden findet.

Wie war's?

 

Palast aus Staub und Wind ist ein von Beginn an fesselnder Roman mit mehren Wendungen. Haroon Gordons Schreibstil reißt seine Leser von Anfang an mit und lässt sie die Höhen und Tiefen der Figuren hautnah miterleben. Ein brisantes Thema, das auschließlich Ella betrifft, wird am Ende des Romans allerdings zu oberflächlich abgehandelt. Das ist jedoch die einzige Schwäche, die sich das Buch erlaubt.

Palast aus Staub und Wind ist bei hockebooks erschienen und wurde mir von bloggdeinbuch.de  zur Verfügung gestell. Der Roman kostet als Taschenbuch 12,99 € sowie als E-Book 7,99 €. Mir lag das Buch als E-Book vor.


 



Mittwoch, 31. Mai 2017

Deutschland und die USA: Das waren die Zentren im Mai

Einblicke in die Filmbranche, ins Marktdesign, die Inklusion und in eine forensiche Klinik

 

Und was wird aus mir? fragen sich die Menschen im vor zehn Jahren erschienenen Roman von Doris Dörrie. Die Autorin, die auch als erfolgreiche Regisseurin bekannt geworden ist, verarbeitet in ihrem Buch ihre Erfahrungen aus der Filmbranche, in der die schöne Fassade mehr zählt als der Mensch hinter ihr. Erfolg und Absturz liegen dicht beieinander. 
Ein gut geschriebener Roman, der mehrere gesellschaftliche Phänome behandelt.












Wer kriegt was und warum? des Wirtschaftswissenschaftlers und Nobelpreisträgers Alvin E. Roth erklärt, was es mit Marktdesign auf sich hat und erläutert das Prinzip eines Matching Markets: Es ist nicht möglich, sich nur einfach etwas oder jemanden auszusuchen, sondern man muss ebenfalls ausgesucht werden. Seine Leser erfahren, was es mit einer Marktverstopfung oder Verfrühung auf sich hat und erhalten die Möglichkeit, ökonomische Prozesse aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ein Buch, das sich auch an Leser richtet, die sich bislang noch nicht näher mit Wirtschaftsthemen oder -theorien beschäftigt haben.
2015 stellte sich Roth einer Google-Diskussion mit dem emeritierten Professor Hal Varian, der seit zehn Jahren als Chef-Ökonom für Google arbeitet, zum Thema Marktdesign:

 

  
Michael Felten, der in der Schulentwicklung, der Lehrerausbildung und seit 35 Jahren als Lehrer tätig ist, hat sich in seinem Buch Die Inklusionslüge kritisch damit beschäftigt, wie gut oder schlecht es in Deutschland, aber auch in anderen Ländern bisher gelungen ist, behinderten Schülern in Regelschulen gerecht zu werden. Er ist keineswegs ein Gegner der Inklusion, lehnt sie aber in der Form ab, in der sie in Deutschland ganz überwiegend praktiziert wird. Da von dem Erfolg oder Scheitern der Inklusion nicht nur die behinderten Kinder, sondern auch ihre nicht-behinderten Mitschüler sowie die involvierten Lehrkräfte betroffen sind, ist dieses Thema für die gesamte Gesellschaft von Interesse.  
Michael Felten hat sich im Rahmen einer Interviewreihe, die im Zusammenhang mit den Landtagswahlen in NRW 2017 aufgelegt wurde, zur schulischen Inklusion geäußert:



Mit Das forensische Gemetzel der Autorin A. C. Scharp habe ich einen Roman vorgestellt, der sich sehr unterhaltend mit der verwickelten Situation in einer forensischen Psychiatrie in einem kleinen Kaff beschäftigt. Das Geheimnis des Chefpsychiaters droht aufzufliegen. Dies kann er nur verhindern, indem er einen der Insassen, einen Frauenmörder, umbringt. Er hat Skrupel, aber seine Existenzängste sind größer als diese. Doch die Ereignisse nehmen einen für alle unerwarteten Verlauf. Dass auch das Klinikpersonal jenseits dessen ist, was man als normal bezeichnen würde, steht außer Frage.
Alles, was die Autorin sonst noch macht, lässt sich auf ihrer Homepage nachlesen. 






Das war der Mai, und ich hoffe, euch hat der bunte Mix gefallen. Wir sehen uns im Juni wieder!

 

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