Freitag, 19. Februar 2016

# 37 - Auf Sylt kann es verdammt gefährlich sein

Man kann am Strand nicht nur Muscheln finden

 

Heute ist wieder Krimi-Zeit, und diesmal wird auf Sylt gestorben. Ulrike Busch schubst ihre Leser gleich zu Beginn ihres Buchs Der Pfauenfedernmord direkt an den Strand von Kampen, mitten in der Hochsaison Anfang August eines nicht genannten Jahres: Im Prolog findet eine Joggerin eine Tote, die ein ungewöhnliches Kleidungsstück trägt. Ein Fall für Hauptkommissar Knudsen und seinen Kollegen Kommissar Zander.

Ein Freund, ein guter Freund...

 

In jedem Sommer trifft sich eine Gruppe von Freunden in Kampen, die dort Zeit zusammen verbringt: Der Schönheitschirurg Dr. Claus Wiederkehr und seine Frau, die Galeristin Valerie Wunderlich-Wiederkehr, die Paartherapeuten Konrad und Karin Bitterstein sowie der Fotograf Günther Geier und seine Frau Armgard. In diesem Jahr gibt es sogar mehrere Gründe, zu feiern: Die Wiederkehrs begehen ihre Silberhochzeit, und der Freundeskreis besteht nun ebenfalls seit 25 Jahren. Dieses Mal sind auch Ilona, Valeries beste Freundin und Assistentin, sowie ihr neuer Freund Marian, ein Italiener, mit dabei. Doch schon kurz nach dem ersten Zusammentreffen der alten Freunde im Restaurant "Hinnerks Hof" kommt es zu Spannungen: Ilona und Marian wirken alles andere als frisch verliebt, und auf Claus lastet eine Anspannung, weil ihn kurz zuvor ein anonymer Drohbrief erreicht und danach jemand Rattengift in seinem Vorratsraum platziert hat. Konrad richtet seine Aufmerksamkeit wie immer auf Valerie, was Karin verärgert zur Kenntnis nimmt. Aber auch Marian flirtet mit der Galeristin und zieht sich dadurch Claus' Missfallen zu. 
Um angesichts der anonymen Aktionen Schlimmeres zu verhüten, beobachtet Hauptkommissar Knudsen, der eng mit den Wiederkehrs befreundet ist, das Treiben diskret aus dem Hintergrund. Doch es nützt nichts: Durch das geöffnete Restaurantfenster wird ein Stein geworfen, der Valerie nur knapp verfehlt. In der entstehenden Aufregung gelingt es nicht, den Werfer ausfindig zu machen.


Scheidungsgedanken? Lohnen sich nicht mehr

 

Die Stimmung zwischen den Eheleuten Wiederkehr ist nicht besonders gut. Immer häufiger hat Claus den Eindruck, dass seine Frau Geheimnisse vor ihm hat. Auch ihre stundenlange Morgentoilette geht ihm immer mehr auf die Nerven. Doch drei Tage nach der Silberhochzeit erhält Claus einen Brief, der für ihn das Fass zum Überlaufen bringt: Er stammt vom Einwohner-Zentralamt Hamburg und enthält einen Bußgeldbescheid wegen zu schnellen Fahrens. Zum Beweis ist dem Bescheid ein Blitzerfoto beigefügt, auf dem deutlich Marian zu erkennen ist, der Claus' Sportwagen durch Hamburg steuert und gerade von der neben ihm sitzenden Valerie geküsst wird. Claus weiß allerdings nicht, dass diese Affäre nur die Spitze des Eisbergs an Seitensprüngen ist, die sich seine Gattin in den letzten Jahren geleistet hat.
Valerie, die 20 Jahre jünger als ihr Mann ist, ihm aufgrund mehrerer Schönheitsoperationen ein rundum erneuertes Aussehen verdankt und ohne sein Geld nie die Galerie hätte eröffnen können, ist der Typ Mensch, um den man einen großen Bogen machen sollte: Sie benutzt ihre Mitmenschen und legt sie ab wie ein durchlöchertes Kleidungsstück, wenn sie ihr keinen Vorteil mehr bieten können. Freundschaften sind für sie nichts anderes als Vorteilspartnerschaften. Deshalb wundert man sich auch nicht, als sie nur vier Tage nach ihrer Silberhochzeit tot am Strand vor dem Roten Kliff gefunden wird. Die Spurenlage ist eindeutig: Sie wurde mit einem Messer angegriffen und ist dann verblutet. Und wie es bei einem Krimi so ist, stellt sich auch hier die Frage: Wer hat Valerie Wunderlich-Wiederkehr auf dem Gewissen? Je mehr in ihrem Leben gekramt wird, umso mehr Personen kommen für den Mord in Betracht. Keine leichte Aufgabe für Knudsen und Zander.

Für wen eignet sich dieses Buch?

 

Der Pfauenfedernmord ist ein locker geschriebenes Buch, das sich sehr flüssig liest. Bei Amazon ist es den Cosy-Krimis zugeordnet, und das passt meiner Ansicht nach auch sehr gut: Der Krimi hat jede Menge Lokalkolorit, und ein großer Teil der Handlung beschäftigt sich mehr mit dem Beziehungsgeflecht der Figuren und deren charakterlichen Untiefen als mit der knallharten Falllösung. Dazu passt auch, dass Hauptkommissar Knudsen die Ermittlungen leitet, obwohl er wegen seiner Freundschaft zu Claus Wiederkehr so voreingenommen ist, dass er den Chirurgen von vornherein als Tatverdächtigen ausschließt. Sein Kollege Zander, der hier immer wieder als Polizist dargestellt wird, an dessen Fähigkeiten man zweifeln darf, weist ihn mehrmals erfolglos darauf hin.
Kurzum: Für diejenigen Leser, die von einem Krimi Blutlachen, das Pfeifen von Pistolenkugeln und einen smarten Ermittler mit einem hochprofessionellen Team erwarten, ist dieser Krimi nicht das Richtige. Aber er ist durchweg gute Unterhaltung und kann schon deshalb empfohlen werden.

Die Autorin ist promovierte Sprachwissenschaftlerin und hat mit Der Pfauenfedernmord ihren ersten Krimi veröffentlicht. Er ist bei Amazon Publishing erschienen und als Taschenbuch (9,99 €) sowie als Kindle-Edition (4,99 €) erhältlich.

   

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