Dienstag, 31. Mai 2016

Der Mai - eine Weltreise mit Büchern

Ägypten, USA, Deutschland

 

In diesem Monat war für fast jeden Geschmack etwas dabei. Es gab Nachdenkliches, Kriminelles und Anrührendes, und es wurde fast jeder Kontinent "bereist".

Vor dem Erben...Mit Vor dem Erben kommt das Sterben schildert die Autorin Ulrike Blatter den Versuch der jungen Blanche, sich in Köln nach mehr als 20 Jahren Abwesenheit und einigen Irrwegen eine neue Existenz aufzubauen. Sie versucht es mit Scharlatanerie, doch ein bisschen Orakeln hier und ein paar Rückführungen da sind finanziell gesehen ganz nett, aber nicht der große Wurf. Da ist es doch viel lohnender, wenn man dem Ableben der betuchten Kundin ein wenig auf die Sprünge hilft. Doch Blanche wird von der Katze Cleo beäugt, die eine Wiedergeburt der letzten ägyptischen Königin Kleopatra ist. Ein sehr unterhaltsamer Roman, in dem Ulrike Blatter auch die Gentrifizierung Kölns und den katastrophal verlaufenden Bau der Stadtbahn anspricht. Für den Wiederaufbau des Kölner Stadtarchivs spendet sie von den Verkaufserlösen ihres Buches 10 %. 





Mehr Infos zum Buch und zum Spendenzweck gibt der Buchtrailer:



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KirschblütenMit Kirschblüten und rote Bohnen des Schriftstellers und Punkmusikers Durian Sukegawa ging es nach Japan. Dort arbeitet der mit seinem Leben unzufriedene Sentaro in einem Imbiss, in dem er lust- und lieblos Dorayaki, mit einem süßen Mus aus roten Bohnen gefüllte Teigtaschen, zubereitet. Sein Leben ändert sich, als er die alte Tokue kennenlernt, die er auf ihr Drängen hin im Imbiss beschäftigt und die das traditionelle Bohnenmus so perfekt herstellt, dass sich das Geschäft vor Kunden kaum noch retten kann. Auch die Schülerin Wakana wird zur Stammkundin, und zwischen den drei Menschen entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft. Doch die Situation verändet sich, als Sentaro und Wakana von Tokues sorgsam gehütetem Geheimnis erfahren. Ein sehr empathischer Roman, der gleichzeitig einen Blick in die japanische Geschichte und Gesellschaft wirft.





Die Verfilmung unter dem Namen "AN - Von Kirschblüten und roten Bohnen" lief 2015 bei den Filfestspielen in Cannes. Hier ist der offizielle Trailer:

   


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Straße der WunderJohn Irving hat mit Straße der Wunder einen neuen Roman herausgebracht. Es ist klar, dass auch dieses Buch nicht ohne Absurditäten auskommen kann. So sind die Hauptpersonen zwei Geschwister: Der ältere Juan Diego wächst mit seiner Schwester Lupe im Haus des Chefs der Müllkippe im mexikanischen Oaxaca auf. Juan Diego ist ein begabter Autodidakt, seine Schwester kann Gedanken lesen und oft auch die Zukunft. Nach dem Tod der Mutter leben die beiden zunächst in einem Waisenhaus der Jesuiten, danach nimmt sie ein Zirkus auf. Doch auch das soll nicht die letzte Station bleiben: Nach Lupes selbstlosem Suizid wird Juan Diego von einem mexikanischen Transsexuellen und einem ehemaligen amerikanischen Jesuitenpater adoptiert und von ihnen in die USA mitgenommen. Sein Leben bleibt unegwöhnlich - trotz oder wegen seiner Unbeholfenheit.








Vom Verlagshaus RandomHouse wurde eine Hörprobe bereitgestellt, die einen schönen ersten Eindruck gibt:

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Till TürmerDas letzte Buch, das ich im Mai vorgestellt habe, beschäftigt sich mit einem Thema, dem viele Menschen lieber ausweichen, obwohl es unausweichlich ist: Die Titelfigur in Till Türmer und die Angst vor dem Tod von Andreas Klaene entwickelt ihre eigenen Strategien, um allem, was mit dem Sterben und der Endlichkeit zu tun hat, auszuweichen. Doch dann hat Till eine Begegnung mit einem Menschen, der ihm so wichtig wird, dass er sich entscheiden muss.






Weitere Informationen über das Buch und den Autor gibt es auf der Homepage von Andreas Klaene.





Auch der Juni wird einige interessante Bücher bereithalten. Schaut vorbei und lasst euch überraschen.








Freitag, 27. Mai 2016

# 52 - Wovor haben wir die größte Angst?

Vom Weglaufen vor dem Unvermeidlichen

 

Der Journalist Till Türmer hat sein Leben im Griff: Er lebt allein in Aurich, liebt die Ausritte auf seiner Stute Rubina und schreibt Biografien und Briefe für Menschen, denen die passenden Worte fehlen. Er ist ein empathischer und geduldiger Mann, zu dem Menschen schnell Vertrauen fassen und sich ihm öffnen. Doch er gerät an Grenzen, wenn es um das geht, dem niemand ausweichen kann: den Tod. Andreas Klaene beschreibt in seinem Buch Till Türmer und die Angst vor dem Tod wie schwer es ist, dem Unvermeidlichen auf Dauer auszuweichen.

Wann muss man sich dem Tod stellen?

 

Immer, wenn Till zu Rubina geht, begegnet er dem alten Jupp, der auf dem Reiterhof des Bauern Enno wohnt und alles macht, was anfällt. Jupp lebt dort ganz für sich. Keiner weiß besonders viel über den wortkargen Mann, aber für Till ist er ein Freund. Doch Jupp geht es schlecht. So schlecht, dass auch Till klar ist, dass es mit dem alten Mann bald zu Ende gehen wird. Er weiß von Enno, dass Jupp hofft, sich von Till im Krankenhaus verabschieden zu können. Nur ein letzter Besuch, ein paar Worte zum Abschied. Doch Till schiebt diesen Besuch so lange auf, bis Jupp tot ist. Wieder meldet sich Enno bei ihm: Ob Till ihm bei der Planung der Beisetzung helfen könne? Jupp habe keine Angehörigen mehr gehabt, und er, Till, sei doch so gut mit ihm befreundet gewesen. Till ignoriert Ennos Bitte, und Jupp wird ohne ihn beerdigt.

Ähnlich geht Till mit einer Kundin um, die ihn bittet, ihr in ihrem Namen einen Brief an ihre Tochter zu schreiben. Es ist klar, dass die an Krebs erkrankte Dame nicht mehr lange leben wird, aber ihr größter Wunsch ist es, ihre Tochter, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, noch ein Mal zu sehen und mit ihr zu sprechen. Till sagt ihr zu, sich Gedanken zu machen, aber "vergisst" dann, seine Auftraggeberin zurückzurufen.
Er fühlt sich durchaus schlecht dabei, sich so zu verhalten, doch bisher fehlte eine starke Motivation, an dieser Einstellung zu arbeiten und sich zu ändern.

Auch Till Türmer muss sich entscheiden


Doch dann lernt er Sarah kennen. Sie ist für ihn zunächst nur so etwas wie ein Phantom, weil er durch das gekippte Fenster der Herrentoilette eines Auricher Restaurants nur ihre Stimme hören kann. Till ist sofort von deren Klarheit und Intensität fasziniert und beginnt, die unbekannte Frau zu suchen. Mithilfe der wenigen Informationen, die er an seinem Fensterplatz gehört hat, wird er schließlich fündig: Er begegnet Sarah in einem Supermarkt in Pewsum und erkennt sie an ihrer Stimme wieder. Durch ein Gespräch zwischen ihr und einer anderen Kundin erfährt er von einem kulturellen Ereignis, bei dem Sarah mitwirken wird. Für Till ist klar, dass er dorthin muss, wenn er Sarah wiedersehen will, doch er ist überrascht, worauf er trifft: Die junge Frau tritt im Rahmen einer Veranstaltung, auf der über Multiple Sklerose informiert wird, als Pianistin auf. Sie kommen ins Gespräch und fühlen sich sofort stark zueinander hingezogen. Doch als sie sich immer besser kennenlernen, erfährt Till, was Sarahs Leben bereits jetzt einschränkt und womit sie ihr Geld verdient. Zwei Dinge, die ihn aufwühlen und ihn unmittelbar mit der Endlichkeit des Lebens konfrontieren. Er muss sich entscheiden, denn eine Beziehung mit Sarah ist ohne die Anwesenheit des Todes nicht denkbar.

Ein sehr schöner Roman um ein "heißes Eisen"  

 

Andreas Klaene hat das von vielen Menschen als Tabu empfundene Thema Sterben und Endlichkeit in einem sehr flüssigen Schreibstil verarbeitet, der den Leser in die Handlung hineinzieht. Man kann durchaus auf die Idee kommen, dass dem ansonsten so offenen Till Türmer zu Beginn noch ein kleines Stückchen fehlt, um "richtig" erwachsen zu werden, aber der Autor beschreibt das Fluchtverhalten des Journalisten ohne einen erhobenen Zeigefinger. In einem kurzen Rückblick wird deutlich, welchen Ursprung Tills Angst vor dem Tod haben könnte und es passt zu ihm, sich mit seiner Vergangenheit nicht wirklich auseinandergesetzt zu haben.
Das Buch spielt in Ostfriesland, und Leser, denen die Gegend um Aurich vertraut ist, werden sicher das Eine oder Andere wiedererkennen. Auch die gute ostfriesische Sitte des Teetrinkens mit Stövchen sowie Kluntje und Wulkje ( großer, weißer Kandiszucker und eine Sahnewolke) fehlt hier nicht. 
Till Türmer und die Angst vor dem Tod ist ein lesenswertes Buch, das auch diejenigen in die Hand nehmen können, denen es so geht wie Till zu Beginn der Handlung. 


Till Türmer und die Angst vor dem Tod wurde bei epubli herausgegeben und kann sowohl dort als auch beim stationären oder Versandbuchhandel bezogen werden. Es kostet als Taschenbuch 10,99 € und als Kindle-Edition 4,99 €.

Freitag, 20. Mai 2016

# 51 - Außenseiter mit grandiosen Fähigkeiten

Durch und durch ein echter Irving 

 

Seit vielen Jahren bin ich ein Fan von John Irving, und sein neuestes Buch Straße der Wunder hat mich im Großen und Ganzen nicht enttäuscht. Im Mittelpunkt stehen der zu Beginn 14-jährige Mexikaner Juan Diego Guerrero und seine ein Jahr jüngere Schwester Lupe. Sie wachsen auf einer Müllkippe in Oaxaca auf und leben bei Rivera, dem Chef der Müllhalde.


Mexiko 1970: brennende Müllhalden und Bücher

 

Juan Diego und Lupe sind nur auf den ersten Blick typische Müllkippenkinder, wie es sie noch heute in Mexiko gibt. Rivera, el jefe, kümmert sich um die Geschwister und behandelt sie wie seine eigenen Kinder; und das, obwohl es nur bei Juan Diego den Hauch einer Chance gibt, dass er dessen Sohn sein könnte. Ihre Mutter Esperanza spielt im Leben der beiden Jugendlichen keine große Rolle: Sie ist Prostituierte und außerdem Putzfrau in der Kirche und im Waisenhaus der Jesuiten. Die Pater haben ihr diesen Job in der Hoffnung gegeben, dass sie so wieder auf den rechten Weg zurückfindet. Nur sporadisch lässt sich Esperanza bei Rivera und ihren Kindern sehen. 

Im Kloster von Oaxaca misten die Jesuiten von Zeit zu Zeit ihre Klosterbibliothek aus und bringen Bücher zum Verbrennen auf Riveras Müllkippe. Dort rettet sie Juan Diego aus dem Feuer und liest sie gründlich. Er ist Autodidakt und hat sich selbst das Lesen beigebracht. Mithilfe der vom Kloster  entsorgten Bücher hat er auch Englisch gelernt.
Seine Schwester Lupe wirkt auf die, die sie nur oberflächlich kennen, geistig zurückgeblieben: Sie spricht völlig unverständlich und oft so, als stünde sie kurz vor einem emotionalen Ausbruch. Nur ihr Bruder versteht sie und ist darum ihr Dolmetscher. Alle, die sie besser kennen, wissen aber, dass Lupe Gedanken lesen kann und oft in der Lage ist, in die Zukunft zu sehen. 

Ein Roman mit einem Blick auf sich selbst

 

Die Jesuiten legen Wert auf Bildung und werden auf Juan Diego aufmerksam. Vor allem Pater Pepe setzt sich dafür ein, dass die Geschwister nach dem Tod ihrer Mutter ins katholische Waisenhaus umziehen. Doch das Waisenhaus ist keine Lösung, und letztlich finden sich die beiden im nahegelegenen Zirkus wieder. Doch auch der Aufenthalt dort soll nicht von Dauer sein, was vor allem daran liegt, dass Lupe wegen ihrer Hellsichtigkeit weiß, wie ihre und die Zukunft ihres Bruders aussehen würden, wenn sie dort blieben. Da entschließt sie sich zu einem gravierenden Schritt, der ihrer Ansicht nach die einzige Chance ist, Juan Diego eine Zukunft zu ermöglichen, die seinen Fähigkeiten entspricht.

Tatsächlich wird er den Beruf ergreifen, den Lupe in ihm gesehen hat: Der mittlerweile zu einem bekannten Schriftsteller avancierte Juan Diego blickt in Straße der Wunder 40 Jahre später während einer Lesereise auf die Philippinen auf sein Leben zurück. Lupes selbstloser Plan hat tatsächlich dazu geführt, dass sein Leben eine Wendung genommen hat, die unter normalen Umständen kaum möglich gewesen wäre. Edward, ein ihm freundschaftlich verbundener amerikanischer Jesuit und dessen Freundin Flor, eine transsexuelle mexikanische Prostituierte, adoptieren ihn und nehmen ihn mit in Edwards Heimat Iowa. Dies ist für Juan Diego die Eintrittskarte in ein besseres Leben.

Das Leben unter dem Einfluss von Betablockern und Viagra

 

Juan Diego ist wegen einer Herzschwäche auf die regelmäßige Einnahme von Betablockern angewiesen. Sie führen jedoch dazu, dass er ein Leben führt, dass er als "reduziert" bezeichnet: Er leidet unter Müdigkeit, die oft schon narkoleptische Züge hat, und Erektionsstörungen. Die haben ihn mangels einer Partnerin bislang wenig gestört, doch auf seiner Reise begegnet er mit Miriam und Dorothy zwei seiner Fans, die vor allem eines tun wollen: sich "liebevoll" um ihn kümmern. Dass es sich bei den beiden um Mutter und Tochter handelt, macht es nicht wirklich einfacher. Um im Bett nicht zu versagen, nimmt es der Schriftsteller mit der Einnahme der Betablocker nicht mehr so genau und greift immer öfter zu Viagra. Doch er wird aus den beiden Frauen nicht schlau: Sie scheinen immer um die Welt zu reisen und tauchen so plötzlich an seinen Reisestationen auf, wie sie anschließend wieder verschwinden. Bereitwillig lässt er es zu, dass sie ständig in seine Reiseplanung eingreifen, die ursprünglich von seinem ehemaligen Studenten Clark French, der jetzt ebenfalls Schriftsteller ist, ausgearbeitet worden ist. Juan Diego wirkt wie das Klischee eines alternden Romanautors: immer etwas neben sich stehend, kaum lebenstüchtig und ein wenig durch sein Leben irrlichternd. Am Ende kommt es mit ihm, wie es kommen muss.

Leseempfehlung?

 

Wie schon erwähnt bin ich bei John Irving im positiven Sinn voreingenommen. Ich mag die skurrilen Charaktere und Wendungen, wie es sie auch in Straße der Wunder reichlich gibt. Mich haben auch die dezenten Verweise auf andere Bücher von ihm amüsiert. Immer wieder baut er auch Kritik am "American Way of Life" und dem Selbstverständnis der US-Amerikaner ein: Er kritisiert indirekt die Folgen des Vietnamkriegs und macht deutlich, dass es oft mit Chancengleichheit und Toleranz nicht weit her ist.
Etwas ermüdend fand ich allerdings das unglaubwürdige Dreiecksverhältnis zwischen Juan Diego sowie Miriam und Dorothy, dass sich - immer schön abwechselnd - fast nur in der Horizontalen abspielte und um ein Haar noch um eine weitere Person erweitert worden wäre. 
Als gegen Ende der Handlung die Identität der beiden Frauen buchstäblich nebulös wurde, wurde es mir mit den Mysterien zu viel. Letzten Endes bleibt es für den Leser unklar, ob es die beiden Damen nur in Juan Diegos Vorstellung gegeben hat. Auch andere geisterhafte Wesen tauchen im letzten Fünftel des Buches auf; inwieweit sie für den Fortgang der Handlung wichtig sind, erschließt sich mir nicht. 
Insgesamt ist meine Kritik an diesem Buch jedoch so gering, dass ich es auf jeden Fall empfehlen kann. Die Hinweise, die John Irving auf seine vorangegangenen Romane gibt, sind für das Verständnis des Buches nicht wichtig, sodass auch Leser, die zum ersten Mal einen Titel von ihm lesen, an Straße der Wunder Freude haben werden.



Vielen Dank!

Das Buch Straße der Wunder wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorhandene Exemplare innerhalb eines Werktages.  Die Kontaktdaten und Öffnungszeiten gibt es hier: Hemminger Buchhandlung

 

Straße der Wunder kostet als gebundene Ausgabe 26,-- € und als epub- oder Kindle-Edition 22,99 €. Das Hörbuch (3 MP3-CDs) ist für 24,99 € erhältlich. 


 

Freitag, 13. Mai 2016

# 50 - Was hat eine Freundschaft mit gutem Essen zu tun?

Über eine Freundschaft zwischen Menschen, die (eigentlich) nichts gemeinsam haben

 

Ich möchte euch heute ein Buch ans Herz legen - so viel Pathos ist hier durchaus angebracht -, das wie der Gegenentwurf zu so vielen anderen Büchern wirkt, die von Kritikern hoch gelobt werden. Es überzeugt durch seine einfache, klare Sprache und enthält ein ganzes Fuder Lebensweisheit. Die Rede ist von Kirschblüten und rote Bohnen des japananischen Autors Durian Sukegawa.

Ex-Häftling trifft auf alte Frau

 

Sentaro ist ein junger Mann, der sein Leben bis jetzt gehörig vergurkt hat: Er hat sich in Drogengeschäfte verwickeln lassen und dafür einige Jahre im Gefängnis gesessen. Weil er bei der Polizei nicht über die Hintermänner auspacken wollte, wurde ihm auch kein Strafrabatt gewährt. Unnötig zu erwähnen, dass er außer einem einfachen Schulabschluss über keine Qualifikation verfügt. Doch aus Dankbarkeit für sein Schweigen bietet ihm einer dieser Hintermänner an, für ihn in seinem Dorayaki- Imbiss 'Doraharu' zu arbeiten. Dorayakis sind runde Pfannkuchen, die mit einer süßen Paste aus roten Bohnen gefüllt werden. Da er beim Inhaber obendrein auch noch Schulden hat, wird das Doraharu für Sentaro zu seiner persönlichen Hölle. Doch nach nur drei Jahren stirbt sein Chef unerwartet, und dessen Witwe übernimmt den Imbiss. Da sie vom Geschäft oder gar von der Herstellung der Dorayakis keine Ahnung hat, ernennt sie Sentaro zum Geschäftsführer. Doch den hält nur die Aussicht, irgendwann seine Schulden abbezahlt zu haben, in diesem Job. Die traditionelle Süßspeise stellt er lust- und lieblos her und greift bei der Herstellung des Bohnenmus' auf ein Fertigprodukt aus dem Kanister zurück. Seine Dorayaki schmecken ihm nicht, aber das ist ihm gleichgültig. Direkt nach Feierabend geht er in die nächste Kneipe und spült seinen Kummer hinunter. Doch nachdem er einen Aushang an die Tür geklebt hat, mit dem er einen Helfer sucht, meldet sich nur eine alte Frau, Tokue. Sie ist bereit, für einen lächerlich geringen Lohn für ihn zu arbeiten. Sentaro sträubt sich zunächst, Tokue einzustellen, weil sie schon 76 Jahre alt ist und gebrechlich wirkt. Doch sie lässt nicht locker und überzeugt ihn schließlich, indem sie das beste Bohnenmus herstellt, dass Sentaro jemals gegessen hat.
Weil Tokue an den Händen und im Gesicht entstellt ist, hat Sentaro Bedenken, sie beim Verkauf helfen zu lassen. Er spricht Tokue nicht auf die Herkunft der Entstellungen an und behält auch die Gründe, warum sie nur in der Küche arbeiten soll, für sich. 

Das Blatt scheint sich zu wenden

 

Der ungewöhnlich gute Geschmack der Dorayakis spricht sich herum, und schon bald kann sich der Imbiss vor Kunden kaum noch retten. Eine der neuen Kundinnen ist das 14-jährige Schulmädchen Wakana: Sie lebt nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Mutter, die ständig Geldsorgen hat. Mit ihr kommt Tokue nach und nach ins Gespräch, und nach einiger Zeit stellt das Mädchen der alten Frau die Frage, die auch Sentaro immer auf der Zunge liegt: Warum sind Tokues Finger so verkrümmt? Doch die Antwort, das sei auf eine schlimme Krankheit in ihrer Jugend zurückzuführen, bleibt vage.
Alles ändert sich, als kurz darauf Sentaros Chefin in den Imbiss kommt und von ihm verlangt, die alte Frau zu entlassen. Sie habe gehört, sie sei an Lepra erkrankt gewesen, und so etwas wollten die Kunden nicht sehen. Und überhaupt könne man ja nie wissen, ob die Krankheit nicht immer noch ansteckend sei.
Kurz darauf versiegt der Kundenstrom, sodass kaum noch Bohnenpaste zubereitet werden muss. Tokue kommt zunächst seltener, doch dann macht sie es Sentaro leicht und kündigt von sich aus. Doch der Kontakt zu ihr bricht nicht ab, und sie öffnet sich gegenüber Sentaro und Wakana und gibt ihnen tiefe Einblicke in ihr Leben.

Ein Ende mit Tragik, aber nicht ohne Hoffnung

 

Zwischen Sentaro, Wakana und Tokue entsteht eine tiefe Verbundenheit, die vor allem der empathischen und lebensklugen Tokue zu verdanken ist. Durian Sukegawa greift in seinem Buch auch die Art und Weise auf, wie Japan mit seinen Leprakranken seit dem Ende des 2. Weltkriegs umgegangen ist: Obwohl die Erkrankten dank eines seinerzeit aus den USA eingeführten Medikaments völlständig gesund wurden und niemanden anstecken konnten, blieb es bis 1996 dabei, dass sie die eigens gebauten Leprosorien nicht verlassen durften. Es gab Zwangsarbeit, die Männer wurden zwangssterilisiert, Föten erkrankter Frauen abgetrieben oder ihre Babys getötet. Im ganzen Land wurden Leprakolonien errichtet, und in den ersten Jahren wurden die Kranken in Einzelzzellen isoliert. Allen, die in eine der Leprakolonien gebracht wurden, war klar, dass sie ihre Familien nie wiedersehen würden. 
Aber auch nach 1996 hat sich das Leben der Menschen, die vor Jahrzehnten erkrankt sind, nicht wesentlich verbessert: Sie können sich zwar frei bewegen, sind aber wegen ihrer Entstellungen sozial isoliert. Da sich in den meisten Fällen auch ihre Angehörigen von ihnen abgewendet haben, bleiben sie letztendlich unter sich.
Das erinnert stark an den Umgang mit den Menschen, die durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und den Atomunfall in Fukushima durch Radioaktivität sofort oder später geschädigt wurden: Auch sie werden gemieden, als hätten sie eine todbringende Krankheit und haben keine Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen

Ich habe es bisher vermieden, mit Zitaten aus Büchern zu arbeiten, über die ich schreibe. Hier will ich eine Ausnahme machen. Tokue gibt Sentaro diesen Satz mit auf den Weg:

"Zäune überwinden kann nur, wer mit einem Herzen lebt, das Zäune überwunden hat."


Durian Sukegawa ist ein japanischer Romanautor, Fernseh- und Radiomoderator, Schauspieler und Punkmusiker. Kirschblüten und rote Bohnen wurde unter dem Titel "An" (Anm.: japanisch für Bohnenmus) ein Bestseller und für die Festspiele in Cannes 2015 verfilmt. 

Kirschblüten und rote Bohnen ist 2016 im DuMont Buchverlag erschienen und wurde mir von bloggdeinbuch zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Es kostet in der gebundenen Ausgabe 18,-- € und als epub- oder Kindle-Edition 14,99 €. Es kann online hier bestellt werden: Bestell-URL
 









Freitag, 6. Mai 2016

# 49 - Einmal Ägypten - Köln

Zurück zu den Wurzeln - eine gute Entscheidung?

 

Das heutige Buch spielt in Köln, genauer: im Severinsviertel zwischen Ende September 2008 und Anfang März 2009. Die Autorin Ulrike Blatter hat im Februar 2016 ihren Roman Vor dem Erben kommt das Sterben veröffentlicht, der mit der Rückkehr der fast 40-jährigen Blanche in ihre Heimatstadt Köln beginnt. Blanche war zuletzt vor 20 Jahren hier gewesen und wegen der schlechten Erinnerungen geflohen. Sie hatte ihre beste Freundin Eva-Maria, die sie wegen ihrer porzellanweißen Haut und der schwarzen Haare auch "Schneewittchen" genannt hatte, verloren, als die beiden Mädchen 13 Jahre alt waren. An ihrem Tod, der sich vor Blanches Augen abspielte, hatte sie sich eine Mitschuld gegeben. Seitdem war ihr Leben aus der Bahn geraten: Sie hatte sich immer nur durchgemogelt, war nach Berlin abgehauen, um sich danach an den Junkie-Treffpunkten in Frankfurt, Hamburg und Zürich herumzutreiben. Aber jetzt spürt sie so etwas wie Heimweh, das sie in ihre alte Heimat zurücktreibt.

Zurück ins Veedel

 

Das Severinsviertel, das in Köln auch "Vringsveedel" genannt wird, gilt als der kölscheste Stadtteil. Dass seine alteingesessenen Bewohner sich als enge Gemeinschaft betrachten, kommt auch im Buch immer wieder zum Ausdruck. Hier ist Blanche aufgewachsen, als Tochter einer selbstständigen Frisörmeisterin und Enkelin einer resoluten Inhaberin einer Metzgerei. Männer haben in dem Leben der Drei keinen Platz. Die Mutter Lisbeth und die Großmutter ("Omma") sind beide sehr mit ihren Läden beschäftigt, sodass Lara, wie Blanche eigentlich heißt, eher nebenher versorgt wird. Doch nun ist sie wieder da, und da sie keine andere Anlaufstelle hat, wendet sie sich an ihre Mutter, die das Veedel verlassen hat und als Rentnerin in Köln-Höhenberg lebt. Lisbeth hält bei diesem Treffen nicht mit ihrem Ärger hinterm Berg, dass sie viel Geld für die Entzüge und Therapien ihrer Tochter gezahlt hat, das sie lieber in deren Ausbildung gesteckt hätte. Aber nun will sie ihr eine letzte Chance geben: Blanche soll in die alte Wohnung im Veedel ziehen, die die drei Frauen früher bewohnt hatten. Nach Ommas Tod und Lisbeths Auszug steht sie leer. Doch die Sache hat ein paar Haken: Der Baubeginn der Nord-Süd-Stadtbahn hat die Gegend entlang der Streckenführung sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Anwohner müssen nicht nur den ständigen Baulärm ertragen, sondern beobachten auch, dass die Bausubstanz zahlreicher Häuser so sehr leidet, dass sich tiefe Risse durch die Mauern ziehen. Außerdem setzt Lisbeth ihrer Tochter ein Ultimatum: Sie überlässt Blanche die Wohnung für ein halbes Jahr mietfrei, damit diese ihr Leben wieder ordnen kann. Und Blanche hat vor, diese Chance auf ihre Weise zu nutzen.

Wie kann man seinen Mitmenschen das Geld aus der Tasche ziehen?

 

Blanche bewohnt ihre neue Bleibe nicht allein: Schon am Tag ihres Einzugs drängt sich ihr eine weiße Katze förmlich auf, die sie mit ihren smaragdgrünen Augen fixiert und ihrem Blick standhält. Die Katze, die sie aus einer Eingebung heraus Cleo nennt, ist ihr unheimlich, aber sie wird sie nicht mehr los. Was Blanche nicht weiß: Cleo ist nicht irgendeine Katze, sondern die Wiedergeburt der letzten ägyptischen Königin Kleopatra VII., die 30 v. Chr. starb. Kleopatra hat bis zu ihrer Existenz als Katze verschiedene Wiedergeburten durchlaufen, darunter auch als Hexe, die auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Für Cleo ist Blanche keine Fremde: Sie kennt sie bereits seit den 1970-er Jahren, als sie in Gestalt der weißhaarigen Frau Müller das Kind Lara aus dem Haus gegenüber beobachtete. Jetzt hat sie sich vorgenommen, sich um Blanche zu kümmern.

Blanche hat keinen Beruf gelernt und ist sowieso der Meinung, dass normale Arbeit eine Form der Ausbeutung ist. Doch was sie beherrscht, ist die Manipulation ihrer Mitmenschen, und auch auf dem Gebiet der Hypnose hat sie gute Fertigkeiten. Sie beginnt ihre Berufstätigkeit nun als Astro-Beraterin für eine Telefon-Hotline, bei der sie die Anrufer so lange wie möglich hinhält, um deren Telefongebühren in die Höhe zu treiben. Der Verdienst ist für den Anfang nicht schlecht, aber erst als eine Kundin namens Sybille um eine persönliche Beratung bittet, wendet sich das Blatt.

Sybille ist das perfekte Opfer: Sie ist vor Kurzem verwitwet, naiv, kinderlos, in tiefer Trauer um ihren Mann und - das ist am wichtigsten - sehr wohlhabend. Blanche wittert bei dieser labilen Frau ihre Chance, endlich mit geringem Aufwand an viel Geld zu kommen und nutzt ihre Gabe, Menschen zu beeinflussen, aus: Im Laufe mehrerer Sitzungen suggeriert sie der älteren Frau, sie könne sie ihrem verstorbenen Mann näherbringen. Sie versetzt sie in Trance und tischt ihr in sogenannten Rückführungen Liebesgeschichten aus der Kölner Stadtgeschichte auf, die angeblich in grauer Vergangenheit zwischen Sybille und ihrem Mann stattgefunden haben. Die grundehrliche, aber sehr leichtgläubige Sybille fällt auf den Schwindel herein und schöpft aus diesen vermeintlichen Begegnungen mit ihrem geliebten Hubert neuen Lebensmut. Doch Blanche reichen die Honorare für die Sitzungen längst nicht mehr. Sie nutzt ihre Fähigkeiten, um in Sybille einen neuen Wunsch keimen zu lassen: durch den eigenen Tod und eine nachfolgende Wiedergeburt irgendwann wieder mit Hubert vereint zu sein. Und Blanche weiß sehr genau, wie sie dieses Ziel erreichen kann.


Kölner Stadtgeschichte, Tote, Heimtücke und ein guter Zweck

 

Vor dem Erben kommt das Sterben ist ein Roman, der sich interessant und sehr flüssig liest und randvoll mit Kölner Geschichte ist. Ulrike Blatter setzt sich gleich mit mehreren Themenfeldern auseinander, die sie in den Verlauf der Handlung einbaut: Sie beschäftigt sich sowohl mit der Möglichkeit der Reinkarnation als auch dem von zahlreichen Pannen und dem tragischen Einsturz des Stadtarchivs im März 2009 überschatteten Bau der Kölner Nord-Süd-Bahn, deren endgültige Fertigstellung aus heutiger Sicht noch in den Sternen steht. Auch ein weiteres Thema, mit dem sich andere Großstädte ebenfalls beschäftigen, behandelt sie: die Gentrifizierung, also die Abwanderung der finanziell wenig leistungsstarken Bewohner zugunsten des Zuzugs von wohlhabenden Bevölkerungsgruppen. Nicht nur in Köln haben Investoren fragwürdige Methoden, um Wohnhäuser zu "entmieten" und sie anschließend nach einer Sanierung für viel Geld zu vermieten oder zu verkaufen.

Ulrike Blatter spendet 10 % des Verkaufserlöses aus diesem Roman an die  Kölner Stiftung Stadtgedächtnis. Das Geld soll dabei helfen, die bei dem Einsturz des Stadtarchivs beschädigten Dokumente wiederherzustellen.

Vor dem Erben kommt das Sterben wurde bei neobooks als e-Book herausgegeben und kostet 2,49 € (400 Seiten). 

Dienstag, 3. Mai 2016

Schon wieder ein Monat vorbei

April, April... 

 

Am 1. April habe ich nicht mit einem Aprilscherz begonnen, aber den Inhalt des Buches Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson hätte man an manchen Stellen dafür halten können. Das Schicksal der Südafrikanerin Nombeko Mayeki ist ziemlich abgefahren und verschlägt sie nach jahrelangem Aufentalt als Gefangene bei einem weißen Atomwissenschaftler als Flüchtling in das ferne Schweden - direkt in die Arme von Holger Qvist, den es eigentlich gar nicht gibt. Die Handlung wird gewürzt durch intrigante Despoten und eine durch die Welt reisende Atombombe. Das Buch liest sich ganz nett, aber wegen der großen strukturellen Ähnlichkeit zu seinem Vorgänger Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, reicht es für mich nur zu 

 


Hier findet ihr eine Buchvorstellung des Autors, glücklicherweise mit deutschen Untertiteln.

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Das nächste Buch gehörte zu denen, die ihre Leser sehr nachdenklich zurücklassen: In Sechs Jahre schreibt Charlotte Link über das langsame Sterben ihrer Schwester Franziska im Jahr 2012. Sechs Jahre zuvor stellen ihr Ärzte eine Krebsdiagnose, doch eine andere Komplikation wird ihr später den Tod bringen. Link erzählt über den Zusammenhalt der Familie und lässt ihre Leser an der Liebe zur Schwester, aber auch der eigenen Hilflosigkeit und der aller anderen Familienmitglieder teilhaben. Trotzdem ist dies kein emotional überfrachtetes, sondern ein absolut lesenswertes Buch.

  


In einer 2014 ausgestrahlten Folge von "Titel, Thesen, Temperamente" spricht sie über die Beweggründe, dieses Buch zu schreiben.



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Am 15. April ging es mit Die Raben nach Schweden. Genauer: Auf einen Bauernhof mitten im Nirgendwo in der südschwedischen Provinz Småland. Dort lebt in den 1970-er Jahren der 12-jährige Klas zusammen mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder. Der Autor Tomas Bannerhed schildert, wie Klas' Vater der Hof und seine wirtschaftlichen Probleme zunehmend über den Kopf wachsen: Er ist zunächst nur etwas wunderlich und verschroben, entwickelt aber einen Wahnsinn, der sich und die ganze Familie in Gefahr bringt. Klas entflieht der bedrückenden Situation und den Erwartungen, die der Vater an ihn als Hoferben stellt, indem er sein großes Interesse an Vögeln pflegt und sie auf seinen stundenlangen Streifzügen durch die Natur studiert. Das Buch ist sehr empathisch geschrieben und zieht seine Leser in die Handlung hinein.


   

Es gibt zwar Interviews mit dem Autor, aber da ich davon ausgehe, dass der größte Teil meiner Leser nicht Schwedisch spricht, habe ich diese Buchbesprechung des Südwestrundfunks (SWR) herausgesucht: Buchbesprechung SWR

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Darauf folgte Ausgerechnet Kabul von Ronja von Wurmb-Seibel. Die Journalistin wollte sich nicht nur auf Fernsehbilder und Zeitungsartikel verlassen, in denen es ausschließlich um Terror und Zerstörung ging, sondern selbst erfahren, was es heißt, in Afghanistan zu leben. Ihr Buch berichtet von ihrem Jahr in der Hauptstadt Kabul, in dem sie Schönes, aber auch Befremdliches kennengelernt hat.


   

Ronja von Wurmb-Seibel gibt auf ihrer Homepage
Einblicke in ihr Buch und das Leben in Afghanistan.


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Das fünfte und letzte April-Buch war Panama Papers - Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung. Es geht darin um das größte Daten-Leak, das es je gegeben hat und das sehr genau darüber Auskunft gibt, wie die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca den Superreichen dieser Erde mithilfe der Gründung unzähliger Offshore-Firmen dabei geholfen hat, ihr Vermögen zu verstecken. Die Journalisten der Süddeutsche Zeitung Bastian Obermayer und Frederik Obermaier schildern den gesamten Rechercheprozess vom ersten Kontakt mit ihrem unbekannten Informanten über die journalistische Ausweitung bis hin zum Zeitpunkt der weltweit gleichzeitigen Veröffentlichung der Daten. Ein spannendes Buch, das angesichts der Unsummen, die an den Steuerbehörden vorbeigeschleust und dem Gemeinwesen vorenthalten wurden und werden, ein deutlich stärkeres Echo verdient hätte.

      

Die Süddeutsche Zeitung hat parallel zu der Veröffentlichung eine eigene Website erstellt, die in Texten und Videos umfangreiche Informationen bereithält.


Am kommenden Freitag geht es hier mit dem ersten Buch im Mai weiter. Bis dann!



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