Montag, 29. Februar 2016

Diese Bücher gab es hier im Februar

Ziemlich bunt gemischt

 

Gleich das erste Buch dieses Monats war so etwas wie ein Paukenschlag: Der Distelfink von Donna Tartt widmet sich dem wechselhaften Leben eines Jungen aus New York über einen Zeitraum von 14 Jahren. Langweilig? Keine Spur! Theo Decker macht so viel durch, dass es noch für zwei weitere Leben reichen würde. Ich finde dieses Buch sehr lesenswert und gebe darum 
























Wer mehr wissen möchte: Ijoma Mangold hat im Youtube-Kanal von ZEIT Online ebenfalls über diesen Roman gesprochen.
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Für den Rest des Monats hatten die Self-Publisher die Nase vorn. Den Anfang machte hier Jens Thaele mit dem Titel  Vom Yin und Yang der digitalen Revolution. Der Autor ist Nachrichtentechnik- und Wirtschaftsingenieur und erklärt seinen Lesern verständlich und gut nachvollziehbar, was es mit der sog. digitalen Revolution auf sich hat und wie sich jeder Einzelne ihre Vorteile zunutze machen kann. Für dieses Buch gebe ich

  



















Weitere Informationen über das Buch und seinen Autor gibt es auf der Homepage von Jens Thaele.
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Am 19. Februar  lag der Schwerpunkt mit Der Pfauenfedernmord von Ulrike Busch auf der Unterhaltung: Eine Clique trifft sich wie jedes Jahr im Sommer in Kampen auf Sylt, doch diesmal sollen dieses Ereignis nicht alle Teilnehmer überleben. Hauptkommissar Knudsen und Kommissar Zander ermitteln in diesem Cosy-Krimi mit viel Lokalkolorit. Das Buch ist gut gemachte Unterhaltung und bekommt deshalb 





















Von Ulrike Busch sind noch weitere Bücher erschienen, in die sie auf ihrer Autorenseite Einblick gibt.
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Am letzten Wochenende bildete Eine Liebe im Schatten der Krone der Autorin Bettina Pecha den Schlusspunkt unter diesen Monat. Das Buch ist Fans von historischen Romanen auf jeden Fall zu empfehlen und beleuchtet einige Jahre der Regentschaft der schottischen Königin Maria I., die besser unter dem Namen Maria Stuart bekannt ist. Der Roman hält sich an die historischen Fakten und lässt sich gut lesen. Daher bekommt er 




















Auch Bettina Pecha hat eine Autorenhomepage und verrät dort Details über ihre Romane sowie deren historische Hintergründe. 


Schon in wenigen Tagen geht es mit dem nächsten Buch weiter, und ich freue mich, euch einen spannenden Roman vorstellen zu können. Wir sehen uns am Freitag!


















Donnerstag, 25. Februar 2016

# 38 - Leben unter Königin Maria I.

Ein Perspektivwechsel

 

Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, hat mich besonders aus einem Grund interessiert: Eine Liebe im Schatten der Krone von Bettina Pecha erzählt ein Stück der englischen Geschichte von 1560 bis 1568 und deckt damit einen Teil einer historischen Episode ab, um die es bereits in Der Palast der Meere von Rebecca Gablé ging. Aber während Gablé ihre Geschichte rund um die englische Queen Elisabeth I. erschaffen hat, stellt Pecha deren Großcousine in den Mittelpunkt: Maria I., Königin von Schottland, besser bekannt als Maria Stuart. Die beiden Frauen haben zeitlebens ein Tauziehen um die Macht in England veranstaltet, was die Handlung des Romans zwangsläufig stark beeinflusst.

 Ohne eine "Leihfamilie" geht nichts

 

In Eine Liebe im Schatten der Krone wird die Handlung von der jungen Fiona Fraser eingerahmt. Sie lernt 1560 in ihrem Elternhaus in Edinburgh den Laird Duncan Sanderton kennen und lieben. Kaum ein Jahr später heiratet sie ihn und geht mit ihm auf sein Landgut Springfield in den West Lothians. Sie lebt sich schnell ein, ihr Mann hat jedoch andere Pläne, als für den Rest seines Lebens auf dem Land zu leben. Er will mit Fiona ein Teil des Hofstaats von Maria Stuart werden und der gesellschaftlichen Enge und Einöde zu Hause entfliehen. Doch das ist nicht das Einzige, das sich Duncan wünscht: Er will einen Sohn, und das möglichst bald.
Wenige Monate nach der Rückkehr Maria Stuarts nach Schottland stellt sich Fiona ihr vor und wird im November 1562 als Hofdame an das königliche Schloss Holyrood in Edinburgh geholt. Duncan begleitet sie: Er wird in das Gefolge von James Stewart, dem 1. Earl of Moray und Halbbruders der schottischen Königin, aufgenommen. Doch dieser Ortswechsel soll ihrer Ehe nicht gut tun.

Fiona lebt sich schnell in das Umfeld Maria Stuarts ein und entwickelt sich im Laufe der nächsten Jahre zu ihrer engsten Vertrauten. Duncan hat es schwerer: Er registriert sehr bald, dass er nur an den Hof gebeten wurde, um in der Nähe seiner Frau sein zu können. Benötigt wird er nicht.

Maria Stuart - eine der schillerndsten Gestalten der schottischen und französischen Geschichte

 

Bettina Pecha hat sich eng an die historischen Ereignisse gehalten und schildert sehr anschaulich, unter welch schlechtem Stern die Regentschaft von Maria Stuart gestanden hat. Die Katholikin hatte in dem Reformator John Knox einen ihrer größten Widersacher. Er scheute auch nicht vor öffentlichen Verleumdungen und dem Verbreiten von wirren Geschichten über die Königin zurück, um sie zu demontieren. Ihrem Halbbruder, einem Protestanten, brachte sie größtes Vertrauen entgegen, was dieser nicht verdiente. Sie führte drei Ehen, schloss jedoch nur die zweite mit Lord Darnley aus Liebe. Strategisch erwies sich dieser Schritt als Fehler: Darnley war Katholik, und die Protestanten werteten diese Ehe als Signal dafür, dass sie nun ins Hintertreffen geraten würden. James Stewart zettelte daraufhin gemeinsam mit anderen proetstantischen Adeligen eine Rebellion an.
Fiona hält ihrer Königin in jeder Situation die Treue. Mit der Treue nimmt es ihr Mann jedoch nicht so genau, und die Ehe der beiden scheitert. Doch auch in anderer Hinsicht trifft Duncan die falsche Wahl.

 Lesen?

Eine Liebe im Schatten der Krone ist ein spannend geschriebener historischer Roman, der keine Langeweile aufkommen lässt. Er ermöglicht es dem Leser, die damaligen Ereignisse nachträglich mitzuerleben und hat auch einen Schuss Romantik im Gepäck. Wenn es etwas gibt, das man kritisieren könnte, dann sind es die vereinzelt fehlenden Wörter in der mir vorliegenden epub-Ausgabe.
Der Roman ist bei books2read erschienen und sowohl als epub- als auch als Kindle-Edition erhältlich. Er kostet in beiden Versionen 4,99 €.
Das Buch wurde mir von bloggdeinbuch zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.

Freitag, 19. Februar 2016

# 37 - Auf Sylt kann es verdammt gefährlich sein

Man kann am Strand nicht nur Muscheln finden

 

Heute ist wieder Krimi-Zeit, und diesmal wird auf Sylt gestorben. Ulrike Busch schubst ihre Leser gleich zu Beginn ihres Buchs Der Pfauenfedernmord direkt an den Strand von Kampen, mitten in der Hochsaison Anfang August eines nicht genannten Jahres: Im Prolog findet eine Joggerin eine Tote, die ein ungewöhnliches Kleidungsstück trägt. Ein Fall für Hauptkommissar Knudsen und seinen Kollegen Kommissar Zander.

Ein Freund, ein guter Freund...

 

In jedem Sommer trifft sich eine Gruppe von Freunden in Kampen, die dort Zeit zusammen verbringt: Der Schönheitschirurg Dr. Claus Wiederkehr und seine Frau, die Galeristin Valerie Wunderlich-Wiederkehr, die Paartherapeuten Konrad und Karin Bitterstein sowie der Fotograf Günther Geier und seine Frau Armgard. In diesem Jahr gibt es sogar mehrere Gründe, zu feiern: Die Wiederkehrs begehen ihre Silberhochzeit, und der Freundeskreis besteht nun ebenfalls seit 25 Jahren. Dieses Mal sind auch Ilona, Valeries beste Freundin und Assistentin, sowie ihr neuer Freund Marian, ein Italiener, mit dabei. Doch schon kurz nach dem ersten Zusammentreffen der alten Freunde im Restaurant "Hinnerks Hof" kommt es zu Spannungen: Ilona und Marian wirken alles andere als frisch verliebt, und auf Claus lastet eine Anspannung, weil ihn kurz zuvor ein anonymer Drohbrief erreicht und danach jemand Rattengift in seinem Vorratsraum platziert hat. Konrad richtet seine Aufmerksamkeit wie immer auf Valerie, was Karin verärgert zur Kenntnis nimmt. Aber auch Marian flirtet mit der Galeristin und zieht sich dadurch Claus' Missfallen zu. 
Um angesichts der anonymen Aktionen Schlimmeres zu verhüten, beobachtet Hauptkommissar Knudsen, der eng mit den Wiederkehrs befreundet ist, das Treiben diskret aus dem Hintergrund. Doch es nützt nichts: Durch das geöffnete Restaurantfenster wird ein Stein geworfen, der Valerie nur knapp verfehlt. In der entstehenden Aufregung gelingt es nicht, den Werfer ausfindig zu machen.


Scheidungsgedanken? Lohnen sich nicht mehr

 

Die Stimmung zwischen den Eheleuten Wiederkehr ist nicht besonders gut. Immer häufiger hat Claus den Eindruck, dass seine Frau Geheimnisse vor ihm hat. Auch ihre stundenlange Morgentoilette geht ihm immer mehr auf die Nerven. Doch drei Tage nach der Silberhochzeit erhält Claus einen Brief, der für ihn das Fass zum Überlaufen bringt: Er stammt vom Einwohner-Zentralamt Hamburg und enthält einen Bußgeldbescheid wegen zu schnellen Fahrens. Zum Beweis ist dem Bescheid ein Blitzerfoto beigefügt, auf dem deutlich Marian zu erkennen ist, der Claus' Sportwagen durch Hamburg steuert und gerade von der neben ihm sitzenden Valerie geküsst wird. Claus weiß allerdings nicht, dass diese Affäre nur die Spitze des Eisbergs an Seitensprüngen ist, die sich seine Gattin in den letzten Jahren geleistet hat.
Valerie, die 20 Jahre jünger als ihr Mann ist, ihm aufgrund mehrerer Schönheitsoperationen ein rundum erneuertes Aussehen verdankt und ohne sein Geld nie die Galerie hätte eröffnen können, ist der Typ Mensch, um den man einen großen Bogen machen sollte: Sie benutzt ihre Mitmenschen und legt sie ab wie ein durchlöchertes Kleidungsstück, wenn sie ihr keinen Vorteil mehr bieten können. Freundschaften sind für sie nichts anderes als Vorteilspartnerschaften. Deshalb wundert man sich auch nicht, als sie nur vier Tage nach ihrer Silberhochzeit tot am Strand vor dem Roten Kliff gefunden wird. Die Spurenlage ist eindeutig: Sie wurde mit einem Messer angegriffen und ist dann verblutet. Und wie es bei einem Krimi so ist, stellt sich auch hier die Frage: Wer hat Valerie Wunderlich-Wiederkehr auf dem Gewissen? Je mehr in ihrem Leben gekramt wird, umso mehr Personen kommen für den Mord in Betracht. Keine leichte Aufgabe für Knudsen und Zander.

Für wen eignet sich dieses Buch?

 

Der Pfauenfedernmord ist ein locker geschriebenes Buch, das sich sehr flüssig liest. Bei Amazon ist es den Cosy-Krimis zugeordnet, und das passt meiner Ansicht nach auch sehr gut: Der Krimi hat jede Menge Lokalkolorit, und ein großer Teil der Handlung beschäftigt sich mehr mit dem Beziehungsgeflecht der Figuren und deren charakterlichen Untiefen als mit der knallharten Falllösung. Dazu passt auch, dass Hauptkommissar Knudsen die Ermittlungen leitet, obwohl er wegen seiner Freundschaft zu Claus Wiederkehr so voreingenommen ist, dass er den Chirurgen von vornherein als Tatverdächtigen ausschließt. Sein Kollege Zander, der hier immer wieder als Polizist dargestellt wird, an dessen Fähigkeiten man zweifeln darf, weist ihn mehrmals erfolglos darauf hin.
Kurzum: Für diejenigen Leser, die von einem Krimi Blutlachen, das Pfeifen von Pistolenkugeln und einen smarten Ermittler mit einem hochprofessionellen Team erwarten, ist dieser Krimi nicht das Richtige. Aber er ist durchweg gute Unterhaltung und kann schon deshalb empfohlen werden.

Die Autorin ist promovierte Sprachwissenschaftlerin und hat mit Der Pfauenfedernmord ihren ersten Krimi veröffentlicht. Er ist bei Amazon Publishing erschienen und als Taschenbuch (9,99 €) sowie als Kindle-Edition (4,99 €) erhältlich.

   

Freitag, 12. Februar 2016

# 36 - Wie sich der digitale Dschungel lichten lässt

Die digitale Revolution betrifft fast jeden

 

Mit Vom Yin und Yang der digitalen Revolution von Jens Thaele geht es heute um ein Sachbuch, das seine Leser gewissermaßen an die Hand nehmen und ihnen zeigen will, wie sie sich den rasanten Veränderungen, die sich hinsichtlich des Einsatzes von neuen Technologien abspielen, stellen können. Dies ist kein Buch für Computernerds und IT-Experten, sondern für den Nutzer, der vor der Frage steht, wie er die Informations- und Kommunikationstechnik für seinen privaten Bereich oder seine Firma aufstellen sollte.


Prolog und Epilog als Rahmen

 

Thaele beginnt sein Sachbuch mit einem Prolog, der seine Leser in eine fiktive Szene im Flughafen Berlin Tegel führt. Dort begegnen sich zufällig zwei Freunde, die beide Unternehmer sind, und sprechen über die Unzufriedenheit des einen mit seiner neuen Kommunikationslösung: Die Mitarbeiter verweigern sich, er selbst ärgert sich über den Anbieter. Doch sein Freund ahnt, welcher Fehler hier der technischen Umstellung von Anfang an zugrunde lag. Er wertet die Erneuerung seiner eigenen Firmentechnik als vollen Erfolg, was im Wesentlichen mit der Herangehensweise des gewählten Anbieters zu tun hat.
Jens Thaele stimmt seine Leser so auf den fachlichen Teil seines Buches ein und führt sie zu den grundsätzlichen "Knackpunkten", die bei einer Entscheidung für eine modifizierte oder neue Kommunikationsplattform  beachtet werden müssen.


Moderne Kommunikation - ein Buch mit sieben Siegeln?

 

Das Buch kommt selbstverständlich nicht ohne Fachvokabular aus. Anders als mithilfe von eingeführten Begriffen lassen sich Zusammenhänge nicht deutlich darstellen. Sie werden jedoch im Text oder im angehängten Glossar so erläutert, dass sie verständlich sind. Der Begriff der Unified Communication (UC) zieht sich hier durch alle Kapitel: Damit ist gemeint, dass alle Kommunikationskomponenten wie z. B. die Endgeräte, die Kommunikationsdienste oder die Funknetze in jeder Hinsicht zusammenarbeiten und nicht wie vor Jahren getrennte Bereiche sind. Zum Gelingen einer zufriedenstellenden Kommunikationslösung ist ein reibungsloses Zusammenspiel aller Komponenten nötig.

Thaele ist bewusst, dass viele Menschen nicht wissen, worauf sie bei der Gestaltung der eigenen Kommunikationsumgebung Wert legen sollten. Er rät dazu, sich über die eigenen Bedürfnisse im Klaren zu sein und diese Ansprüche den Anbietern gegenüber entsprechend zu formulieren. Dieser Hinweis zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch und wird zum besseren Verständnis auch grafisch dargestellt. Das bloße Aufzählen von Leistungsmerkmalen im Rahmen einer Ausschreibung führt seiner Erfahrung nach in der Regel zu Enttäuschungen. Da ist es nur folgerichtig, dass er den "Rundum-sorglos-Paketen" mancher Anbieter eine klare Absage erteilt.
Der Autor widmet ein ganzes Kapitel der Frage, wie bei der Auswahl des richtigen Anbieters vorgegangen werden sollte. Da er dies sowohl für die Zielgruppe der Privatkunden als auch für Unternehmen verschiedener Größenordnungen tut, findet sich hier jeder Leser wieder.


Die Cloud - wie "böse" ist sie?

 

Jens Thaele weiß um die zahlreichen Vorbehalte, die gegen die Nutzung von Clouds bestehen. Er erläutert, welches technische Prinzip sich dahinter verbirgt und inwieweit die Sorgen von Nutzern, ihre Daten könnten dort nicht sicher sein und von Unbefugten missbraucht werden, tatsächlich berechtigt sind. Auch auf die Bedenken, die hinsichtlich der Datenverfügbarkeit bestehen, geht er ein. 
In einem weiteren Kapitel geht es um die typischen Fehler, die im Zuge der Planungen einer UC sehr häufig passieren. Thaele beschreibt hier anschaulich, an welchen Stellen eine sehr gute und zielgerichtete Kommunikation zwischen Kunden und Anbietern nötig ist und welche Erwartungen, die Kunden in vielen Fällen haben, nicht erfüllbar sind und deshalb nicht eingefordert werden sollten, um das Gelingen der Umstellung oder Einführung einer UC nicht zu gefährden.

Jens Thaele hat mit Vom Yin und Yang der digitalen Revolution einen Ratgeber geschrieben, der zahlreiche Menschen ansprechen dürfte, die auf der Suche nach einer verständlichen Erläuterung für die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der modernen Kommunikationstechnik sind. 
Nach meiner Einschätzung eignet es sich jedoch nur begrenzt für Leser, die sich mit dieser Thematik bislang noch nie beschäftigt haben und buchstäblich bei null anfangen. 
Der Autor lockert seine Darstellung immer wieder durch eigene Erfahrungen, die er als Fach- und Führungskraft in mehreren Telekommunikationsunternehmen gemacht hat, auf. Die eine oder andere Wiederholung bleibt in seinen Hinweisen nicht aus, das hemmt jedoch nicht den Lesefluss und könnte dazu beitragen, dass sich das Gelesene noch weiter verfestigt.

Empfehlung?

 

Wer sich für dieses Thema interessiert, ist mit dem Kauf von  Vom Yin und Yang der digitalen Revolution gut beraten. Jens Thaele ist Dipl.-Ing. der Nachrichtentechnik und Dipl.-Wirtschaftsingenieur, sodass sich seine Leser  auf seinen Sachverstand verlassen können.

Das Buch ist als Hardcover-Ausgabe für 19,80 €, als Paperback für 14,80 € und als E-Book zum Preis von 8,99 € erhältlich. 

Samstag, 6. Februar 2016

# 35 - Ein preisgekröntes Epos

Ein Vogel auf Abwegen

 

Der Roman Der Distelfink der Amerikanerin Donna Tartt beginnt fast am Ende der Erzählung: Theo Decker, ein 27-jähriger Amerikaner, befindet sich seit einer Woche in einem Amsterdamer Hotelzimmer. Er ist krank und sieht in einem Fiebertraum im Spiegel seine Mutter, die plötzlich hinter ihm auftaucht. Doch kurz, bevor sie etwas sagen kann, endet der Traum abrupt. Theo wird bewusst, dass sein Leben einen besseren Verlauf genommen hätte, wenn es diesen Tag vor 14 Jahren nicht gegeben hätte. 
 

Der 13-jährige Theo Decker lebt allein mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung in New York. Sein alkoholkranker und meistens übellauniger Vater hat die kleine Familie bereits vor einem Jahr sang- und klanglos verlassen und zahlt keinen Unterhalt. Dass das Geld seitdem knapp ist, ist allerdings im Vergleich dazu das kleinere Übel.
Theo und seine Mutter Audrey hatten schon immer eine enge Bindung, die seit dem Verschwinden des Vaters noch etwas intensiver geworden ist. Doch dann kommt der Tag, der Theos bisheriges Leben aus den Fugen und seine Welt zum Einsturz bringen soll: Er besucht mit seiner Mutter das Metropolitan Museum of Art, in dem gerade eine Ausstellung gezeigt wird: Nördliche Meisterwerke des goldenen Zeitalters. Audrey hatte vor Jahren  Kunstgeschichte an der New York University studiert, bevor sie Theos Vater kennenlernte und nach der Hochzeit das Studium aufgab. Ihr Faible für Kunst hatte sie jedoch nie losgelassen und sie freut sich sehr, als sie in der Ausstellung ein Bild entdeckt, das sie seit ihrer Kindheit nur aus einem Kunstbildband kannte, von dem sie jedoch seit damals fasziniert ist: Der Distelfink des niederländischen Künstlers Carel Fabritius, das 1654 gemalt wurde.

Die Wege trennen sich...

 

Theo und seine Mutter haben mittags einen Termin, sodass die beiden ihren Museumsrundgang abkürzen müssen. Doch Audrey möchte sich auf die Schnelle noch ein weiteres Gemälde ansehen, das in einem benachbarten Ausstellungsraum hängt. Sie verabreden, dass sie sich im Museumsshop treffen. Wenige Augenblicke später wird der Raum von einer so gewaltigen Explosion erschüttert, dass Theo zwischen herumwirbelnden Trümmerteilen zu Boden geworfen wird und das Bewusstsein verliert. Erst als er nach einer Weile wieder zu sich kommt, erkennt er, was wirklich passiert ist: Ein Bombenanschlag hat Teile des Museums zum Einsturz gebracht. Um ihn herum liegen Tote, von seiner Mutter ist weit und breit nichts zu sehen. Auf der Suche nach einem Ausgang trifft er auf einen schwer verletzten alten Mann, der um sein Leben ringt. In seinen letzten Minuten weist er Theo eindringlich an, ein staubiges rechteckiges Brett, das ganz in der Nähe zwischen Trümmern liegt, aufzuheben und auf jeden Fall mitzunehmen. Als Theo sich das Brett genauer ansieht, erkennt er, dass es sich um den Distelfinken, das Lieblingsbild seiner Mutter, handelt. Ohne länger darüber nachzudenken, entscheidet er, das Bild an sich zu nehmen. Doch kurz bevor Theo die Suche nach dem Ausgang fortsetzt, gibt ihm der sterbende Mann einen schweren Goldring. Einige seiner letzten Worte sind "Hobart and Blackwell" und "Läute die grüne Glocke."

Theo schafft es, einen Weg aus dem zerstörten Museum zu finden und klammert sich an die Hoffnung, seine Mutter zu Hause anzutreffen. Doch die Wohnung ist leer. Erst etliche Stunden später stehen zwei Sozialarbeiter vor der Wohnungstür. In diesem Moment wird Theo klar, dass er seine Mutter nie wiedersehen wird. Angesichts dessen, dass die Sozialarbeiter überlegen, Theo entweder in staatliche Fürsorge, zu einer Pflegefamilie oder zu seinen Großeltern zu geben, wird er von Panik erfasst: Jeder dieser Vorschläge ist schlimmer als der andere; seine Großeltern hatten sich noch nie für ihn interessiert und waren an Lieblosigkeit kaum zu übertreffen. In seiner Not nennt er den Namen der Familie seines Freundes Andy Barbour, und tatsächlich wird er dort aufgenommen. Der Distelfink bleibt zunächst in der alten Wohnung.


Trautes Heim, Glück allein?

 

Die Familie Barbour lässt ihn bei sich wohnen, aber die Atmosphäre dort ist sehr kühl und sachlich. Sein Aufenthalt wird akzeptiert, finanziell ist er jedoch kein Problem: Mr. Barbour arbeitet an der Wall Street, man leistet sich Personal und einen angenehmen Lebensstil. Ihre Wohnung liegt an der bekannten und teuren Park Avenue.
Theo hat den Ring des alten Mannes immer bei sich, aber es dauert eine Weile, bis er sich entschließen kann, die Adresse von Hobart and Blackwell im Telefonbuch nachzuschlagen und hinzufahren. Dort trifft er auf Mr. Hobart ("Hobie"), den guten Freund und Geschäftspartner des toten Mannes aus dem Museum. Die beiden Männer betreiben seit vielen Jahren ein in Sammlerkreisen angesehenes Antiquitätengeschäft, in dem Hobie den Part des Restaurators innehat. Hobie wird zu einem Anker und Ruhepunkt in Theos Leben, das immer mehr aus den Fugen gerät. Der Heranwachsende trägt schwer am Tod seiner Mutter und gibt sich die Schuld daran. Seit der Explosion ringt er außerdem mit einer posttraumatischen Belastungsstörung: Er erträgt Menschenmengen nur sehr schlecht,  und plötzliche Geräusche oder Bewegungen in seiner Nähe bringen ihn aus der Fassung. 
Als sein Leben bei den Barbours sich etwas normalisiert hat, taucht unvermittelt sein Vater mit seiner Freundin Xandra auf und holt Theo zu sich in die Einöde eines Trabantenvororts von Las Vegas. Doch die Hoffnung, jetzt wieder ein richtiges Zuhause in einer normalen Familie zu haben, wird schon kurz nach der Ankunft beendet: Der Vater hat seinen Suchtschwerpunkt vom Alkohol auf Tabletten verlagert und häuft bei Wetten und Glücksspiel Schulden an, während Xandra keinen Hehl daraus macht, dass ihr Theo lästig ist. Theo lebt in den Tag hinein und spürt deutlich, nicht geliebt zu werden.

14 Jahre Leben auf mehr als 1.000 Seiten 


Wer angesichts der Seitenzahl abgeschreckt ist, diesen Roman zu lesen, verpasst ein sehr flüssig und lebendig geschriebenes Buch, das seine Leser bis zum letzten Punkt auf Seite 1.022 nicht mehr loslässt. Donna Tartt beschreibt das psychische Loch, in das der junge Theo nach dem Tod seiner Mutter, der wichtigsten Person in seinem Leben, fällt, so authentisch, dass man es mit dem Jungen mitfühlt. Über viele Jahre hinweg kann er nicht an bestimmte Dinge denken oder sich an Orten aufhalten, an denen er mit ihr gewesen ist, ohne dass in seinem Kopf ein Film mit Szenen aus dem gemeinsamen Leben abläuft. Wie sehr sich Theo wünscht, dass alles so bleiben möge, wie er es gekannt hat, wird besonders deutlich, als er zum Mietshaus, in dem er jahrelang mit seiner Mutter gelebt hat, zurückkehrt, um mit den ihm vertrauten Türstehern zu sprechen. Als er dort ankommt, ist er fassungslos: Das Haus ist eingerüstet und wird gerade entkernt, das gesamte Hauspersonal wurde entlassen. Ein Fremder erzählt ihm, ein Investor habe das Gebäude gekauft und wolle daraus moderne, teure Wohnungen machen.

Das Leben entgleitet dem Jugendlichen Theo mehr und mehr. Über einen Freund gerät er an Drogen und Alkohol, und erst ein weiterer Schicksalsschlag, der für ihn mehr ein Befreiungsschlag ist, öffnet ihm die Tür für ein einigermaßen normales Leben. Das Gemälde, dessen Rückgabe er sich mehrmals vorgenommen und immer wieder aufgeschoben hat, entwickelt sich zu einem Fluch, obwohl er es gut versteckt hält und irgendwann nicht mehr wagt, es auszupacken und anzusehen.

Donna Tartt hat 2014 für The Goldfinch den Pulitzer Preis bekommen - meiner Ansicht nach absolut verdient. 
Die deutsche Übersetzung ist 2014 im Goldmann Verlag erschienen und kostet als gebundene Ausgabe 24,99 €, als Taschenbuch 12,99 €, als mp3-Hörbuch 14,99 € sowie als Kindle-Edition 9,99 €.


 

Vielen Dank!

Das Buch Der Distelfink wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorhandene Exemplare innerhalb eines Werktages. 
Die Kontaktdaten und Öffnungszeiten gibt es hier: Hemminger Buchhandlung



   

Freitag, 5. Februar 2016

Kleine Verzögerung

Liebe Leserinnen und Leser meiner Bücherkiste,

ich werde es leider erst morgen schaffen, meine nächste Rezension zu veröffentlichen. Ich würde mich freuen, wenn ihr am Samstag wieder hier vorbeischaut.

Ich wünsche euch einen schönen Freitagabend ☺

Montag, 1. Februar 2016

Das habe ich im Januar gelesen

Wieder einmal waren die Bücher sehr unterschiedlich

 

Da ich Urlaub gemacht habe, hatte über den Jahreswechsel auch die Bücherkiste eine Pause. Das Buchjahr begann am 8. Januar mit Boat People von Roland Künzel. Nichts gegen Phantasie und eine Portion Zufall, aber bei diesem Buch fand ich die Dichte der Zufälle wirklich bemerkenswert. Der Roman hat mich nicht überzeugt und bekommt 
(von 5)















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Am 15. Januar ging es in Nicole Neubauers Roman Kellerkind um den Mord an einer erfolgreichen Rechtsanwältin. Zunächst wird ein 14-jähriger Junge der Tat verdächtigt, der im Keller der Toten blutbesudelt angetroffen wird. Doch die Zahl der Verdächtigen steigt. Ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat, darum gebe ich hierfür

 und 1/2 




   Eine Hörprobe gibt es hier bei Soundcloud.

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Eine Woche später habe ich euch Kind 44 von Tom Rob Smith vorgestellt. Anfang 1953 wird ein Junge tot auf den Bahngleisen eines Bahnhofs in Moskau gefunden. Ideologische Gründe verhindern polizeiliche Nachforschungen und sorgen dafür, dass der Mörder diesem noch mehrere Dutzend weitere Opfer hinzufügt. Der degradierte Geheimdienstoffizier Leo Demidow erkennt das System dahinter und beginnt, heimlich zu ermitteln.
Bei diesem Roman muss ich nicht lange überlegen:











 

Robert Hofmann hat den Film, der sich sehr nah an das Buch hält, in einem Video besprochen.

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Den Abschluss für diesen Monat bildete La Vita Seconda - Das zweite Leben von Charlotte Zeiler. Ihr Roman rankt sich um zwei Frauen, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts bzw. in der Gegenwart einen Schicksalsschlag erleiden. Ihn bewerte ich mit 






Wenn ihr mehr über die Autorin wissen möchtet, dann geht das über ihre Homepage.







Ich hoffe, euch hat die Auswahl gefallen. Die Bücherkiste macht mit dem nächsten Buch am 5. Februar weiter.

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