Freitag, 9. Dezember 2016

# 79 - Wenn die Sommerhitze den Verstand verbrennt

Das kollektive Gedächtnis vergisst und vergibt nicht

 

Der Farmer Luke Hadler hat ganz offensichtlich seine Frau Karen und seinen Sohn Billy getötet und sich dann auf der Ladefläche seines Pick-ups erschossen. Nur Lukes kleine Tochter Charlotte, die gerade ein Jahr alt ist, blieb verschont. 
Wie fast immer sind die Fliegen die ersten, die die Leichen entdecken. Kurz nach ihnen trifft der Postbote ein. So beginnt der Thriller The Dry von Jane Harper, der in der Kleinstadt Kiewarra irgendwo in Australien spielt.

Eine Kleinstadt ächzt unter der Dürre - eine Stimmung, um die Nerven zu verlieren

 

Aaron Falk kommt nach 20 Jahren anlässlich der Beerdigung seines Jugendfreunds Luke zum ersten Mal wieder in seine Heimatstadt, an die er nur wenige gute Erinnerungen hat. Er muss sich dazu überwinden, aber Lukes Eltern Barb und Gerry hatten ihn inständig darum gebeten. Die frühere enge Beziehung zu ihnen spielt bei Aarons Entscheidung eine Rolle, aber den Ausschlag, alle Bedenken über Bord zu werfen, gibt der Schluss in Gerrys Brief: Luke hat gelogen. Du hast gelogen.
Als Aaron in Kiewarra eintrifft und die Kirche betritt, in der die Trauerfeier abgehalten werden soll, brechen alte Erinnerungen hervor. Er muss den Blicken der Trauergäste standhalten, die ihn wiedererkennen und beschließt, die Rückreise nach Melbourne in spätestens 18 Stunden anzutreten. Jeder, mit dem Aaron nach dem Kirchgang spricht, verurteilt Lukes Tat, aber alle haben eine Erklärung parat, die jedem einleuchtet: Man erzählt sich, Luke sei total verschuldet gewesen und habe keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als sich und seine Familie auszulöschen. Die schon so lange dauernde Dürre habe doch schon mehreren Farmern wirtschaftlich das Genick gebrochen. Doch warum ließ er die kleine Charlotte am Leben? Auch da ist man sich im Ort einig: Vermutlich sei er am Bett seiner Tochter zur Besinnung gekommen und habe es nicht mehr übers Herz gebracht, auch sie zu töten. Damit könnte der tragische Fall der Familie Hadler erledigt sein. Aber eine Person hat Zweifel: Sergeant Raco sieht in einzelnen Details zu viele Ungereimtheiten und beschließt, Nachforschungen anzustellen, obwohl die Beamten der ihm vorgesetzten Polizeistation in Clyde die Lage für offensichtlich halten und die Akten bereits geschlossen haben. Raco hat von niemandem Hilfe zu erwarten: nicht aus Clyde, wo man Kiewarra für ein hinterwäldlerisches Nest hält, und auch nicht von den eigenen beiden Kollegen, denen es an Eifer und Fähigkeit mangelt.

Die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln

 

Aaron Falk ist Bundespolizist, allerdings bei der Steuerfahndung. Aber sowohl er als auch Raco sind sich darin einig, dass an diesem erweiterten Suizid etwas faul ist. Sie beginnen mit inoffiziellen Ermittlungen, und Aarons Plan, so bald wie möglich die Heimreise anzutreten, gerät ins Wanken. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch schwierig. Viele Bewohner der Stadt wissen noch genau, warum Aaron und sein Vater vor 20 Jahren fluchtartig Kiewarra verlassen hatten. Damals war Ellie, ein Mädchen, mit dem sowohl er als auch Luke befreundet waren, verschwunden und erst Tage später tot im Fluss gefunden worden. Aaron und Luke waren von der Polizei befragt worden, und Luke hatte ihr über seinen Freund, der kein brauchbares Alibi hatte, gesagt, dieser sei mit ihm zusammen auf Kaninchenjagd gewesen. Ganz Kiewarra war sich einig gewesen, dass Aaron ein Mörder ist und wurde von der Familie der Toten immer wieder aufgestachelt. Als der alte Falk und sein Sohn um ihr Leben fürchten mussten, waren sie Hals über Kopf geflohen. Aaron stößt bei seinen Nachforschungen zum Tod der Familie Hadler auch auf neue Erkenntnisse, die Ellies Tod betreffen.

Spannung pur

 

The Dry ist ein rundum gelungener Thriller. Jane Harper ist in ihrem ersten Buch nicht darauf angewiesen, Spannung durch Effekthascherei und Unmengen von Blut zu erzeugen. Bis fast zum Schluss bleibt unklar, wer für den Tod von Luke, Karen und Billy Hadler die Verantwortung trägt. Auch Ellies Tod, der die Bürger von Kiewarra zu den unterschiedlichsten Spekulationen anfeuerte, klärt sich auf. Kurzum: The Dry gehört zu den besten Thrillern, die ich kenne.

The Dry wurde mir von bloggdeinbuch zur Verfügung gestelt, wofür ich mich herzlich bedanke. Es kann über den örtlichen Buchhandel sowie über den Rowohlt-Verlag zum Preis von 14,99 € bezogen werden. 
 

 

  


Montag, 5. Dezember 2016

Altes und Neues nebeneinander - Das war der November

Geschichte, Humor, der Wunsch nach dem ewigen Leben und das Sterben in der Einöde

 

In Hummelhonig beschreibt Torgny Lindgren die Geschichte zweier alter Brüder, die in einem Kaff in Nordschweden leben und auf den Tod zusteuern. Doch jeder der beiden will beim Überleben als Sieger hervorgehen. Eine mäßig erfolgreiche Schriftstellerin, die sich in der Gegend auf einer Lesereise befindet, verbringt den Winter unfreiwillig bei einem der Brüder. Nach und nach kommt sie hinter das Geheimnis, das die alten Männer in einer seit Jahrzehnten dauernden Hassliebe verbindet. Ein sehr schöner und trotz - oder wegen - seiner schnörkellosen Sprache einfühlsam geschriebener Roman, der schon seit seinem Erscheinen vor fast 20 Jahren in meinem Regal steht.
Torgny Lindgren ist seit 1991 Mitglied der Schwedischen Akademie, die die Literaturnobelpreisträger auswählt. Der Jury gehörte er bis 2014 an.
Eine ukrainische Filmgesellschaft verfilmte seinen Roman 2012 unter dem Titel "Brothers - The last confession" und ließ die Brüder anstatt in Schweden  - na klar - in der Ukraine ihren Zwist austragen. Hier gibt es einen Trailer:





von 5 




In Die Unglückseligen von Thea Dorn trifft die Molekularbiologin Johanna Mawet auf den heute längst vergessenen Physiker Johann Wilhelm Ritter. Ritter ist 240 Jahre alt, zeigt aber keine altersgemäßen Gebrechen - wenn man das bei einem derart deutlichen Überschreiten der üblichen Lebenserwartung überhaupt sagen kann. Ritter hat während der Zeit der deutschen Romantik viel mit Elektrizität experimentiert, und Johanna fällt auf, dass seine Wunden ungewöhnlich schnell verheilen. Von dieser Beobachtung ist sie, die sich seit Jahren mit der Frage beschäftigt, wie man den Menschen vor dem Tod bewahren kann, fasziniert. Liegt in Ritters Versuchen der Schlüssel zum ewigen Leben?
Ein spannendes und interessantes Buch, das hier und da etwas hätte gestrafft werden können.

Thea Dorn spricht hier über ihr Buch:







Auch der Roman Bühlerhöhe von Brigitte Glaser spielt in der Vergangenheit, geht aber nur bis in die 1950-er Jahre zurück: Die Bundesrepublik Deutschland ist noch jung, der Staat Israel ebenso, und Konrad Adenauer ist der erste Kanzler der BRD. Er kümmert sich um eine Aussöhnung zwischen den Deutschen und Juden und ist für das Zustandekommen des Luxemburger Abkommens, das Entschädigungsleistungen und -zahlungen an Israel sowie enteignete Juden vorsieht, verantwortlich. Ihm ist bewusst, dass ihm Gefahr aus dem kommunistischen Lager droht, er unterschätzt jedoch die Bedrohung durch diejenigen Israelis, die mit dem Abkommen nicht einverstanden sind. Der Mossad schickt deshalb die noch unerfahrene Agentin Rosa Silbermann undercover in den Schwarzwald, wo Adenauer seine Sommerferien verbringen will. Wird es ihr gelingen, den Attentäter zu identifizieren und rechtzeitig zu stoppen? Brigitte Glaser belässt es nicht bei der eindimensionalen Erzählung ihrer Geschichte, sondern widmet sich auch der Vergangenheit, die die meisten Protagonisten als Bürde mit sich herumtragen. Bühlerhöhe gehört zu den Büchern, die sich im Verlauf der Handlung steigern und die man bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen will. Das im Buch beschriebene Grandhotel Bühlerhöhe gab und gibt es tatsächlich, Konrad Adenauer hat dort mehrere Ferienaufenthalte verbracht. Nach einer Sanierung wurde es unter dem Namen "Schlosshotel Bühlerhöhe" wieder eröffnet und ist mutmaßlich so teuer, dass es das Budget eines Durchschnittsurlaubers gleich mehrmals sprengen kann: Da auf der Hotel-Homepage kein Zimmerpreis zu finden ist, kann sich jeder sein Teil denken. Auch wenn es nicht ganz zu einer Buchrezension passt, will ich euch anstelle eines Interviews mit der Autorin ein Video mit Atze Schröder zeigen, der - so behauptet er es - auf Rechnung von RTL in dieser Nobelherberge residiert hat. Ein Mann aus dem Volk eben: Atze Schröder - 3 Sterne Deluxe






Erstmals gab es einen Gastbeitrag in der Bücherkiste: Frank Hartung hat das Buch Interview mit einem DJ vorgestellt. Elvis, der  King of Rock'n'Roll, meldet sich aus dem Jenseits zu Wort und wird von einem DJ interviewt. Während des Gesprächs kommen sie auch auf Themen, die sich weitab von der Musik befinden: Klimawandel, Artensterben und politischer Rechtsruck sind nur einige davon. Frank Hartung hat die witzige, kurzweilige und kluge Art dieses Buches gut gefallen. Da ich das Buch selbst nicht kenne, vergebe ich dieses Mal keine Sterne.
Wer sich dafür interessiert, was Michael Lorenz, der selbst DJ ist, macht, kann hier mehr über ihn erfahren: www.rollingstock.info








Am letzten November-Freitag ging es um ein Buch, das Lesern gefällt, die Absurdes und Abseitiges lieben. Der Finger im Revolverlauf von Carlo Manzoni ist in der deutschen Ausgabe bereits vor 53 Jahren erschienen und - wie der Untertitel verrät - ein Super-Thriller. Der Privatdetektiv Chico und sein cleverer Hund Greg vollbringen ermittlerische Heldentaten, von denen normale Polizisten nur träumen können. Wenn die Reviere voll von Ermittlerduos ihres Schlages wären, wäre die Kriminalität längst ausgerottet. Vermutlich. Vielleicht. Ein bisschen. Man weiß es nicht. Wie auch immer: Die kriminalistische Arbeit kommt mit genug Bourbon im Glas erst so richtig in Schwung. Da ist dann auch das Stoppen einer Revolverkugel mit dem Zeigefinger im Lauf kein Problem mehr. Ein lustiges Buch, wofür ich mich bei Bettina Schnerr nochmals herzlich bedanke.

Aber: Funktioniert das eigentlich? Kann man den Abschuss einer Patrone stoppen, indem man einen Finger in den Lauf steckt? Dieser Frage sind die Mythbusters nachgegangen. Bei ihnen war es kein Revolver, sondern eine alte Flinte, aber ich will jetzt mal nicht so pingelig sein.








Das war es schon wieder. Schaut wieder rein bei den Rezensionen im Dezember.






Freitag, 2. Dezember 2016

# 78 - Nazis, Sport und unerwünschte Siege

16 Tage Ausnahmezustand für eine effektive Imagepflege

 

Der Publizist und Historiker Oliver Hilmes zieht in Berlin 1936 den Vorhang zurück und schaut hinter die Kulissen der bis dahin größten Olympischen Spiele. Doch dieses Buch ist weit davon entfernt, eine Sportenzyklopädie zu sein.

Die Olympischen Spiele als Leinwand für das übrige Leben in Berlin

 

Die spektakulär von den Nationalsozialisten inszenierte Sportveranstaltung liefert so etwas wie das Grundrauschen, vor dem sich das Leben an 16 Tagen im August 1936 abspielt. Das Regime ist bemüht, sich nach außen möglichst offen, friedlich und tolerant zu zeigen, aber zeitgleich mit den Wettkämpfen gibt es fernab des Olympiastadions verhaltene Protestaktionen und latente Ängste genauso wie überbordende Lebensfreude und Genuss. Zumindest für die, die es sich leisten können. 
Die Ausländer, die anlässlich der Sommerspiele in der Hauptstadt zu Gast waren, durften nichts merken von dem, was sich da nach und nach anbahnte: nichts vom Bau des KZ Sachsenhausen, nur 35 km von Berlin entfernt; nichts von der Verzweiflung zahlreicher Menschen angesichts dessen, was sich da anbahnte und die sich in einer ungewöhnlich hohen Zahl von Todesfällen äußerte; nichts von den Folgen des Erlasses "Zur Bekämpfung der Zigeunerplage", der zwei Wochen vor dem Beginn der Olympischen Spiele zur Zwangsumsiedlung von 600 Sinti und Roma auf ein Rieselfeld in Marzahn führte - einen Platz also, auf dem ständig Jauche abgekippt wurde.

Verweigerte Hitler den Handschlag?

 

Adolf Hitler wohnte nicht allen Wettkämpfen bei und wurde nach dem ersten Tag der Sommerspiele, als er allen deutschen Gewinnern mit Handschlag gratulierte, vom Präsidenten des IOC ermahnt: Entweder solle er alle oder keinen Athleten beglückwunschen. Hitler entschied sich dafür, niemandem mehr zu gratulieren. Ausgerechnet ein schwarzer US-Sportler, der Leichtathlet Jesse Owens, ging mit vier Goldmedaillen als erfolgreichster Sportler aus den Spielen hervor. An dieser Stelle gehen die Meinungen von Augenzeugen auseinander: Hat Hitler samt seiner Entourage absichtlich das Stadion verlassen, als sich Owens in Begleitung der Sekretärin des NOK und eines Dolmetschers seinem Stand näherte? Die Frage bleibt ungeklärt. Fest steht allerdings, dass Hitler von Owens Siegesserie nicht erbaut gewesen ist.

Deutschland musste dem IOC und den USA versprechen, jüdische Sportler nicht von den Wettkämpfen auszuschließen. Daraufhin wurden Qualifikatiosnergebnisse so manipuliert, dass Juden den Sprung in die deutschen Teams nicht schafften. Als Feigenblatt trat dann die "halbjüdische" Fechterin Helene Mayer an, um die ausländischen Gemüter zu beruhigen. 

Ein Lebensgefühl, das sich schon bald in Luft auflösen sollte

 

In Berlin 1936 kommen sie alle vor: Hilmes wirft Schlaglichter auf  Prominente wie den Verleger Ernst Rowohlt oder den amerikanischen Schriftsteller Thomas Wolfe, auf einfache Berliner,Reiche, Schwule, Künstler und Lebemänner. In seinem Buch bilden die Olympischen Spiele die Leinwand, aus der die einzelnen Menschen mit ihren Wünschen, Ängsten, Überzeugungen und Beziehungen zueinander hervortreten. So wird sehr deutlich, wie sich das Leben der Bürger und der Blick des Auslands auf das Deutsche Reich unter dem Einfluss des Nationalsozialismus allmählich veränderten.
Berlin 1936 lässt ein Stück deutsche Vergangenheit plastisch entstehen, ohne dabei wie ein Geschichtsbuch zu wirken. Es ist ein Buch, das eine besondere Atmosphäre einer Zeit einfängt, die sich nicht wiederholen möge.

Berlin 1936 wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Es ist im Siedler Verlag erschienen und kostet als Hardcover 19,99 € sowie als epub- oder Kindle-Edition 15,99 €.
 

Freitag, 25. November 2016

# 77 - Superheld gesucht - und schon gefunden

Super-Thriller mit einem super Team aus Italien

 

Der Finger im Revolverlauf ist ein Super-Thriller. Das findet zumindest der Autor Carlo Manzoni, der diese Persiflage auf amerikanische Krimis 1960 unter dem Titel Ti spacco il muso, bimba! veröffentlicht hat. Auf Deutsch ist das Buch erstmalig 1963 erschienen.
Carlo Manzoni hat neun dieser humorvollen Krimis rund um das unschlagbare Privatdetektiv-Duo Chico Pipa und Gregorio Scarta, genannt Greg, geschrieben, Der Finger im Revolverlauf ist der zweite Band.

Sechs Beine laufen mehr als zwei

 

Chico ist zwar ein richtig toller Typ, den nichts so schnell erschüttern und dem keiner etwas vormachen kann, aber ohne Greg wäre er nur ein halber Mensch. Sein bester Freund und Partner, dessen Name sogar auf der Bürotür der Detektei steht, ist ein Hund. Kein gewöhnlicher Kläffer, der nur zwischen Fressnapf, Hundewiese und Körbchen pendelt; nein, Greg ist ein ausgebildeter Polizeihund, der allen Gangstern den Tod geschworen hat, seit sein Bruder Bud von einem dieser kriminellen Subjekte ermordet wurde. Der Hund nimmt seine Aufgabe sehr ernst.Vielleicht sogar ernster als sein Kompagnon, der genau weiß, dass er ohne seinen treuen Freund aufgeschmissen wäre.
Chico hat es nicht so mit regelmäßigen Mahlzeiten. Aber das heißt nicht, dass er dem Konsum von verarbeitetem Getreide nicht aufgeschlossen gegenüberstünde: An gefühlt jeder Straßenecke kehrt er in eine Kneipe ein, um seine Leber nicht vom Bourbon zu entwöhnen. Was für einen Mann gut ist, kann für einen Hund nicht schlecht sein: Auch Greg wird ab und an mit einer Extra-Portion dieses süffigen Getränks verwöhnt. 

Ein Mann, ein Hund, zahllose Heldentaten


Chico erhält einen Anruf von einer Frau, die sich Duarda nennt. Er ist von ihrer Stimme total fasziniert und glaubt ihr sofort, dass er mit ihr verabredet ist. Beim Ankleiden findet er in seiner Jacke 2.000 Dollar, deren Herkunft er sich nicht erklären kann. Hat ihm jemand im Voraus Geld für einen Auftrag gegeben? Leider hat der clevere Detektiv einen kompletten Filmriss und kann sich an den letzten Abend nicht mehr erinnern. Zu viel verarbeitetes Getreide. Beim Griff in die Hosentasche findet er ein Stück nach Alpenveilchen riechendes Toilettenpapier, auf dem mit Lippenstift eine Adresse notiert wurde: 47. Straße 432 B. Doch auf dem Weg zu der geheimnisvollen Frau merkt Chico, dass er verfolgt wird. Da er den Fahrer nicht abschütteln kann, zwingt er ihn mit einem gewagten Manöver zu einer Vollbremsung. Dumm nur, dass der Kerl bewaffnet ist und offenbar plant, mit einem Schuss Chicos beste Krawatte zu ruinieren. Das darf nicht passieren! Chico gelingt es tatsächlich, den Ganoven mit dem Zeigefinger in dessen Pistolenlauf zu stoppen. Sein Finger wird dabei ein bisschen lädiert, aber solche lächerlichen Verletzungen schüttelt einer vom Format dieses Super-Detektivs lässig ab. Leider kann man das nicht von der Pistole sagen: Sie lässt sich nicht mehr vom Finger abziehen.

Auf fast jeder Seite eine Heldentat

 

Auch wenn Manzoni mit Der Finger im Revolverlauf das klassische Krimigenre durch den Kakao zieht, kommt er selbstverständlich nicht ohne Tote aus. Zwischenzeitlich sterben Menschen wie die Fliegen, und immer ist unser Super-Detektiv so unmittelbar in der Nähe, dass Polizeileutnant Tram und Sergeant Kautschuk gar nicht anders können, als ihn ständig zu verhaften und kurz darauf wieder freizulassen. Die Situation wird immer komplizierter, aber Chico behält immer irgendwie den Überblick - ganz im Gegensatz zu den beiden Polizisten. Gibt es Krimis, die ohne eine Prise Romantik auskommen? Nein. Dieser auch nicht.

Der Finger im Revolverlauf ist ein witziger Krimi, der durchgehend gut unterhält. Dass die deutsche Erstveröffentlichung mehr als 50 Jahre zurückliegt, merkt man der einen oder anderen Formulierung an. Das Buch ist damit auch ein gutes Beispiel, wie sich die deutsche Sprache in den letzten Jahrzehnten verändert hat. 
Dieser Super-Thriller ist nur noch antiquarisch erhältlich und hat damals 2,80 DM gekostet. Ein Preis, der mich heute begeistern würde.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Bettina Schnerr, die das Buch aus der Schweiz zu mir auf die lange Reise nach Norddeutschland geschickt hat. Bettina ist selbst eine eifrige Bloggerin und schreibt auf ihrem Blog Bleisatz. über Bücher und Kulturelles.

Dienstag, 22. November 2016

Gastbeitrag: Interview mit einem DJ


Klug, witzig, anders und kurzweilig.
So preist der Autor Michael Lorenz sein erstes Buch "Interview mit einem DJan. Ein gesellschafts- und wirtschaftskritisches Buch witzig und kurzweilig? Das ist zumindest ungewöhnlich.

Der Blick in das Buch überrascht noch mehr: Eine Geschichte im Interviewstil erzählt, zwei Personen unterhalten sich, die eine davon - die nächste Überraschung - Elvis, der sich aus dem Totenreich zu Wort meldet. Er sorgt sich um sein Erbe, das er uns allen hinterlassen hat, und fühlt allen, die seine Musik spielen, auf den Zahn. In diesem Falle einem Rock-DJ. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Gespräch - natürlich über Musik.

Doch die Themen ihrer Unterhaltung nehmen an Brisanz zu. Wir treffen auf all die Fragen und Probleme, die in den letzten Wochen und Monaten durch die Presse gejagt wurden: Manipulation, Rechtsrutsch, Flüchtlingskrise, Artensterben, Klimawandel. Alles schon gelesen, ein alter Hut? Ganz und gar nicht. Denn hier bekommen wir die Krisen und Fehlentwicklungen unserer Zeit aus einem anderen und höchst interessanten Blickwinkel aufbereitet. Das Buch ist durch die eingeflochtenen Geschichten und Parabeln - der DJ erweist sich als Meister des Geschichtenerzählens - überaus fantasievoll und amüsant.

Wir treffen auf skurrile Gestalten: Karl Valentin, der im Jenseits offensichtlich seine Begabung, schlaue Sprüche zu klopfen, eingebüßt hat; Josephine Baker, die immer noch gerne im Bananenröckchen tanzt; der Heilige Martin, der sich bei seinen Reisen durch das Jenseits wohl das Hirn angeschlagen hat und jetzt fromme Sprüche mit aktuellem Bezug zum Besten gibt. Wir dürfen lernen, dass eine neue Krankheit bei Politikern umgeht, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, kurz ADF, dass man mittels Trumpism kurieren kann. Wir erleben mit, wie alle Nürnberger fluchtartig ihre Stadt verlassen müssen und in einem muslimischen Staat Zuflucht finden. Das Minenfeld der Flüchtlingskrise: sehr elegant umgangen und doch auf den Punkt gebracht. Nicht zuletzt der Klimawandel, der Blick in die Zukunft, die uns droht, wenn wir weiter im bisherigen Umfang Kohlendioxid in die Luft blasen. Hier blitzt wohl die eigentliche Profession des Autors hervor: Aus der Umschlagsseite entnehmen wir, dass er nicht nur Autor und Rock-DJ, sondern auch Naturwissenschaftler im bayerischen Staatsdienst ist.

Sprache und Stil des Werkes sind sehr gefällig. Absolut kein Viertklässlerniveau, wie man es aus der Wohlfühlbelletristik kennt, aber dennoch verständlich und gut zu lesen. Zudem genauso fantasievoll wie die eigentliche Geschichte.

Mein Urteil: klug: aber ja. Anders: auf alle Fälle. Witzig und kurzweilig: und wie.

Diese Rezension ist ein Gastbeitrag von Frank Hartung.

Sonntag, 20. November 2016

# 76 - Adenauer und die Killer - die Bundesrepublik in den Zeiten des Aufbruchs

Der Tod lauert zwischen den dunklen Baumwipfeln 

  

1952: Konrad Adenauer ist der erste deutsche Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der Staat Israel ist fünf Jahre alt, aber es fehlt dort an allen Ecken und Enden an Lebensmitteln, Wohnhäusern, Schulen,... 
Adenauer hat sich zum Ziel gesetzt, eine Aussöhnung mit den Juden herbeizuführen. Im selben Jahr wird zwischen der Bundesrepublik, dem Staat Israel und der Jewish Claims Conference das Luxemburger Abkommen abgeschlossen, das sowohl die Zahlung von Geld, Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,5 Milliarden DM als auch die Rückerstattung des Vermögens von zwangsenteigneten Juden vorsieht.
Sowohl in der Bundesrepublik als auch in Israel gibt es erheblichen Widerstand gegen die Wiedergutmachungspläne des Kanzlers: Die Deutschen wollen lieber verdrängen und vergessen, viele Juden wollen kein Geld von einem Volk, das Millionen von ihnen ermordet hat. Doch der damalige israelische Premierminister Ben Gurion befürwortet die Zahlungen. Das Geld wird dringend gebraucht, um Israel aufzubauen und den allgegenwärtigen Mangel an allem Lebensnotwendigen zu beenden. Vor diesem politischen Hintergrund spielt der Roman Bühlerhöhe von Brigitte Glaser.

Agenten, Morddrohungen und tatsächliche Morde

 

Konrad Adenauer fährt jedes Jahr im Sommer gemeinsam mit seiner Tochter Libeth zur Frischzellentherapie in den Schwarzwald. Dort wohnt er im Nobelhotel Bühlerhöhe, in dem vor dem Krieg auch zahlreiche Juden ihre Ferien verbracht haben. Die Gefahr, einem Anschlag zum Opfer zu fallen, ist dem Kanzler bewusst. Deshalb wird er von einem Stab von Sicherheitsleuten begleitet, an dessen Spitze General von Droste steht. Doch der geht davon aus, dass nur die Kommunisten Adenauer ins Visier genommen haben. Das gewohnte Feindbild lässt sich eben nicht so leicht ablegen.
Doch der israelische Geheimdienst Mossad weiß, dass es während Adenauers Urlaub im Schwarzwald einen Anschlag auf ihn geben soll und schickt Rosa Silbermann in das Luxushotel, um das Attentat zu verhindern. Rosa ist eine Agentin wider Willen, und dies ist ihr erster Auftrag. Sie lebt glücklich mit ihrem 3-jährigen Sohn Ben in einem Kibbuz in Israel, nachdem sie in den 1930-er Jahren zusammen mit ihrer älteren Schwester aus Deutschland vor den Nationalsozialisten geflüchtet ist. Die beiden Frauen sind die einzigen Familienmitglieder, die den Holocaust überlebt haben. Rosa kennt den Schwarzwald sehr gut, weil sie als Kind ganz in der Nähe des Hotels Bühlerhöhe oft ihre Sommerferien verbracht hat. Diese Ortskenntnis gibt für den Mossad den Ausschlag, diesen Geheimauftrag an sie zu vergeben.

Das Grandhotel wird von der strengen Hausdame Sophie Reisacher am Laufen gehalten. Sie hat immer den Überblick und trifft bei den Hotelgästen jederzeit den richtigen Ton. Doch in ihrem Inneren rumort es: Die Witwe eines deutschen NS-Offiziers, die sich durch die Heirat erhofft hatte, im sozialen Ansehen zu steigen und die Welt zu sehen, war von ihrem Mann schon bald enttäuscht. Nachdem er aus dem Krieg nicht zurückgekehrt war, musste sie 1945 ihre elsässische Heimat verlassen. Seitdem hatte sie Beziehungen zu Männern, von denen sie sich die Ehe und gleichzeitig das Sprungbrett in die bessere Gesellschaft erhoffte. Aber bislang wurde sie immer enttäuscht, was sie zu einer unzufriedenen und misstrauischen Frau gemacht hat. Sophie hält viel auf ihre Menschenkenntnis und steht Rosa, die in der Bühlerhöhe als Rosa Goldberg absteigt, vom ersten Moment an skeptisch gegenüber. 

Allein, ratlos, von Feinden umzingelt?

 

Rosa hat von Anfang an große Zweifel, ob es ihr gelingt, den Auftrag auszuführen. Doch ihr Kontaktmann beim Mossad kann sie beruhigen: Am Bahnhof von Baden-Baden wird sie auf Ari, einen erfahrenen und weltgewandten Agenten treffen. Als Ehepaar würden sie unauffälliger sein, und Ari würde mit seiner Ankunft im Schwarzwald das Heft in die Hand nehmen. Doch Ari taucht zunächst nicht auf, sodass Rosa auf sich allein gestellt ist. Gegen immer mehr Menschen, die sich zur selben Zeit in der Bühlerhöhe aufhalten, regt sich ihr Misstrauen, sie ist ununterbrochen auf der Hut. Rosa wird zusätzlich durch die Fülle der Erinnerungen, die sie in Israel verdrängen konnte, immer wieder überwältigt. 
Tatsächlich findet sie schon bald einen Marokkaner, der erschossen im Wald liegt und einen engen Kontakt zu einzelnen Gästen der Bühlerhöhe hatte. Kurz darauf stürzt die Limousine des Kanzlers an einer engen Kurve in die Tiefe. Die Situation droht sie zu überfordern.

Bühlerhöhe ist ein spannender Roman, in dem historische Fakten und Fiktion miteinander verwoben werden. Je mehr er sich dem Höhepunkt zuneigt, umso mehr wird er zu einem Polit-Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. Brigitte Glaser ist selbst im Schwarzwald aufgewachsen, ihre Ortskenntnis verleiht dem Buch viel Authentizität. Das Hotel Bühlerhöhle hat sie allerdings nur anhand von Schwarz-Weiß-Fotos beschrieben; betreten hat sie es erst nach der Veröffentlichung des Romans. Es wird heute wieder als Nobelhotel unter dem Namen Schlosshotel Bühlerhöhe geführt.



Vielen Dank!

Das Buch Bühlerhöhe wurde mir als Rezensionsexemplar vom Inhaber der Hemminger Buchhandlung, Herrn Stefan Koß, zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich bedanke. Herr Koß bietet ein breites Spektrum unterschiedlichster Bücher an und besorgt nicht im Laden vorhandene Exemplare innerhalb eines Werktages.  Die Kontaktdaten und Öffnungszeiten gibt es hier: Hemminger Buchhandlung

 

Bühlerhöhe kostet als gebundene Ausgabe (mit Lesebändchen) 20 Euro, als Audio-CD 17,99 Euro, als Kindle- oder epub-Edition 16,99 Euro sowie als Hörbuch-Download 16,95 Euro.

Freitag, 11. November 2016

# 75 - Die Sache mit dem ewigen Leben

Vergangenheit und Zukunftsbewältigung treffen aufeinander

 

Die deutsche Molekularbiologin Dr. Johanna Mawet befindet sich im Roman Die Unglückseligen von Thea Dorn auf einem Forschungsaufenthalt in einer Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste. Sie als ehrgeizig zu beschreiben, wäre gnadenlos untertrieben: Den letzten Kontakt zu ihren Eltern gab es aus Zeitgründen vor zwei Jahren, sie hat keine Beziehung und schon gar keine Freunde, das Forschungslabor ist de facto ihr Wohnzimmer. Dort macht Johanna die Nacht zum Tag.

Vielleicht ist ein Lieferservice manchmal doch die bessere Lösung

 

Beim Einkaufen im Supermarkt trifft Johanna auf einen Tütenpacker, der sich höchst merkwürdig benimmt: Als er sie sieht, beginnt er vor Angst zu schlottern und läuft schreiend vor ihr davon. Kein Wunder: Der Mann, dessen Name Johann Wilhelm Ritter ist, glaubt in ihr eine Frau zu erkennen, mit der er etwa 200 Jahre zuvor Kontakt hatte. 200 Jahre? Ja! Bei Ritter handelt es sich um einen Physiker und Autodidakten aus der Zeit der Romantik, der bereits 1810 im Alter von 33 Jahren gestorben ist. Das behaupten zumindest die Geschichtsbücher. Auf den heute vergessenen Ritter gehen die Entdeckung der UV-Strahlen und der Bau des ersten Akkumulators zurück. 
Beim Anblick von Johanna glaubt der offenbar unsterbliche Ritter nun, sie sei die Verkörperung des Teufels. Wer würde da nicht die Flucht ergreifen?

Doch Johanna begegnet dem seltsamen Mann, der keineswegs wie ein Greis aussieht, wieder und nimmt ihn, der offensichtlich allein und arm ist, mit zu sich nach Hause. Seine altmodische Ausdrucksweise hält sie zunächst nur für verschroben, auch die Behauptung, er sei bereits 240 Jahre alt, stuft sie als Lüge ein. Doch nach und nach bröckelt ihre Skepsis und sie beginnt, nachzuforschen. Tatsächlich stellt sie fest, dass Ritter sie nicht belogen hat. Das stachelt sie an und weckt ihre Neugier: Sie selbst ist schon seit Jahren dem Problem auf der Spur, wie man die Sterblichkeit der Menschen beenden kann. Dieser Reisende durch die Zeit könnte nun der Schlüssel zu ihrem wissenschaftlichen Erfolg sein. Sie überlegt, was sein Leben so sehr von den Leben seiner Zeitgenossen unterschieden haben könnte, dass er praktisch alterslos wirkt und sich seine Zellen derart schnell regenerieren, dass ihm auch üble Verletzungen nichts anhaben können. In den Gesprächen mit Ritter erklärt ihr der Physiker, dass sein Hauptaugenmerk damals auf der Erforschung der Elektrizität gelegen habe. Johanna kann mit seinen pathetisch vorgetragenen Erklärungen zunächst nichts anfangen, Ritter überredet sie jedoch, sich unter seiner Regie den selben Versuchen auszusetzen, die er seinerzeit an sich durchgeführt hat. Sie willigt ein und erleidet Höllenqualen, die sie zwar verletzen, aber nicht töten. Ist die Elektrizität der Schlüssel zur Unsterblichkeit?

Alte und neue Wissenschaft und der Versuch, den Tod abzuschaffen 

 

Die Unglückseligen kreist um die Frage, ob die Abschaffung des Sterbens erstrebenswert ist oder nur eine elende Quälerei. Johannas wissenschaftliches Ziel deckt sich mit den Vorstellungen, die die heutige Humangenetik und Biomedizin antreiben. Die Wissenschaftlerin will sich nicht damit abfinden, dass die Menschen mit ihrem Tod ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihr Können unwiderruflich mit ins Grab nehmen. Aus der Sicht des Physikers Ritter, der in seinen wissenschaftlichen Hochzeiten um das Jahr 1800 von Goethe verehrt wurde und mit dem Schriftsteller und Philosophen Novalis befreundet war, ist der Zustand der Unsterblichkeit nicht erstrebenswert, er wäre gern schon viel früher gestorben. 
Sein im Roman beschriebenes Verhalten passt jedoch nicht zu seinem Lebensweg: Er spricht und benimmt sich so, als befinde er sich noch immer im beginnenden 19. Jahrhundert. Da er  sich jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in der Polarmeerregion, im Himalayagebirge, in Jerusalem und als Eremit in der Wüste aufgehalten hat und immer wieder mit Frauen liiert war, bis diese starben, ist es nur schwer vorstellbar, dass sich ein intelligenter Mann, der schon in seiner Kindheit seine Umgebung sehr genau beobachtete, sich nicht weiterentwickelt haben sollte.

Die Textabschnitte, die Johanna oder Ritter zuzuordnen sind, lassen sich anhand der sehr unterschiedlichen Ausdrucksweise der beiden erkennen: Johanna spricht klar und prägnant und streut gern englische Ausdrücke in ihren Redefluss ein; Ritter hingegen artikuliert sich so, als sei er der Frühromantik frisch entstiegen: Seine Sätze sind lang, und es fällt ihm nicht leicht, schnell zum Kern einer Aussage zu kommen.
Die dritte Figur, die sich immer wieder kommentierend einschaltet, ist der Teufel. Ihm wurden von Thea Dorn im altmodischen Deutsch geschriebene Verse zugeordnet.
Die Autorin bedient sich bei der Darstellung von Nebenfiguren auch einiger Dialekte: Bayrisch, Schwäbisch und Schlesisch sollen vermutlich authentisch wirken und dem Leser vermitteln, sich in einem bestimmten Zeitabschnitt zu befinden. Dieser Wechsel bremst jedoch den Lesefluss deutlich ab und wäre nicht immer nötig gewesen.

Interessant sind allerdings die Passagen, die sich mit der Humangenetik beschäftigen. Zusammenhänge werden wissenschaftlich dargestellt, ohne dass der Leser sich dabei langweilen würde. Hier wird deutlich, wie gründlich Thea Dorn recherchiert hat.

Eine Empfehlung?

 

Die Idee zum Buch hat mir sehr gut gefallen, die Ausführung hatte ein paar Schwächen. An einigen Stellen hätte der Text durchaus gestrafft werden können, ohne dass der Inhalt des Buches darunter gelitten hätte. Deshalb kann ich es zwar empfehlen, aber leider nicht uneingeschränkt.

Die Unglückseligen ist im Albrecht Knaus Verlag erschienen und wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke. Es ist in der gebundenen Ausgabe (rd. 550 Seiten) für 24,99 Euro erhältlich. Als epub- oder Kindle-Version kostet es 19,99 Euro, als CD-Hörbuch 24,99 Euro sowie als Download-Hörbuch 17,95 Euro. 

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